Alexander's Male Loves

German adventures of a young guy into dudes

Monat: August, 2013

Hard Times – „The Perfect Son“ (1999)

51M62534GWLIch muss zugeben, bei Filmen bin ich empfindlich. Die können mich ganz schnell hochziehen aber auch ziemlich deprimieren. Außerdem, mein dunkles Geheimnis, ich kaufe gerne mal eine DVD, ein Buch oder eine CD bei Woolworth aus der Wühlkiste. Da findet man oft für ein paar Euro tolle Sachen! Und mit der DVD von „The Perfect Son“ (Kanada 1999) dachte ich auch, ein tolles Schnäppchen gemacht zu haben, verkaufte mir doch das Cover den Film als richtiges Männerdrama, zwei Brüder finden zueinander, einer Ex-Junkie, der andere homosexuell und HIV-Positiv, und der Vater ist auch noch wichtig.

Ha ha. Ich habe selten so einen ekelhaften Film gesehen – „SAW“ ist ein Kindergeburstag dagegen! „A Streetcar Named Desire“ fand ich noch ähnlich widerlich, aber das ist eine ganz andere Liga (und Tennesse Williams). Im Endeffekt pflegt der gute Bruder den bösen Bruder zu Tode, hört sich höflich sein Geschwafel an und erlöst ihn am Ende mit einer Überdosis Heroin. Er wechselt die Bettwäsche und der Film ist aus.

Sooo einfach ist das natürlich nicht. Hier wollte jemand Rache nehmen. Der (potthässliche) Regisseur pflegte seinen eigenen Bruder durch die AIDS-Erkrankung durch und wollte sich wohl jetzt ein Denkmal setzen und ein für alle Mal festschreiben, was für eine dumme Schwulette sein Bruder nicht war. So ist es doch interessant, das der gute Bruder erstens der einzig gutausehende Mann in dem Film ist, zweitens sich als einziger anständig kleidet – die anderen Männern sehen aus wie frisch aus der 1990er-Altkleidersammlung, und drittens der Held und tollster Kerl aller Zeiten ist. Die Schwarz-Weiß-Malerei des Films ist aber schon krass:

  • der gute Bruder: maskulin, gutaussehend, sensibel, intelligent, humorvoll, gedankenvoll, verantwortungsbewusst, reißt sich selbst aus dem Drogensumpf raus, tolerant, will Vater werden und mit der Liebe seines Lebens eine Familie gründen => heterosexuell
  • der böse Bruder und seine Freunde: hässlich, schwuchtelig, bitchig, oberflächlich, vögelt alles was geht, kein Beziehungsmensch, wehleidig, keine Selbstreflektion, arrogant, dauernd in Sexclubs, selbstherrlich, HIV-Positiv => homosexuell

Hoppala! Die Welt ist so einfach und der gute Bruder so ein Held, dass er sich so um seinen Assi-Bruder kümmert und sogar dessen eklige Freunde erträgt, die ihn nur anbaggern. Er traut sich sogar in einen schwulen Sexclub, der ungelogen aussieht wie eine Vampirhöhle mit jungen Männern, die den guten Bruder nur dämonisch anstarren, als wollen sie sein Blut aussaugen, und denen es scheißegal ist, dass der Assi-Bruder einen Atemstillstand im Sexclub hatte. Wenn man(n) HIV-Positiv ist, ist der Sexclub natürlich the place to go.

Die Familiengeschichte und die psychischen Hintergründe der Figuren werden nur minimal angerissen. Es geht nur darum: der Hetero-Bruder ist der Held – weil er hetero ist? In der Tat ist klar, dass der böse Bruder sich selbst eigentlich hasst und ein Problem mit seiner Sexualität hat, er vertraute sich ja auch seiner Familie nicht an, und das durch Arroganz und selbstzerstörerisches Verhalten maskiert. Blöd nur, dass in dem Film alle Homos so psychische Wracks sind.

Ich will jetzt aber gar nicht behaupten, der Regisseur hatte das alles nur erfunden. Wenn man gute, kritische Bücher über (männliche) Homosexualität aus den 1990ern liest, wie Bruce Bawers „A Place at the Table“ (1993), oder Gabriel Rotellos „Sexual Ecology: AIDS and the Destiny of Gay Men“ (1997), weiß man, dass viele in der Schwulenszene damals so drauf waren. Und es auch jetzt vielleicht noch sind.

Das ist das wirklich Traurige an dem Film, dass die homosexuellen Männer dort nicht einfach nur reine Erfindungen sind. Sieht man sich aber heutige homosexuelle Filme an, bekommt man auch ein ganz anderes Bild präsentiert. „Boy Culture“ ist so ein kluger und guter Film beispielsweise, oder „A Single Man“. Es geht auch anders.

Ich sage ja immer, der LSVD sollte gratis Psychotherapieplätze anbieten. In der Tat ist man als homosexueller Mann in Deutschland verratzt, denn die guten (Selbsthilfe-)Bücher sind alle auf Englisch. Als ich ein Jugendlicher war, gab es deutsche Ratgeber, die einem die Szene und den Blödsinn, der dort so geglaubt wurde, erklärten. Na toll.

Und die 1990er waren eine schlimme Zeit, der Film erinnerte mich wieder daran. So richtig glücklich war da glaube ich niemand, schon gar nicht die homosexuellen Menschen.

Seien wir froh, dass wir im Hier und Jetzt leben und Machwerke wie „The Perfect Son“ getrost in die Tonne kloppen können!

Depressions are fun!

bitching_1Es ist mal wieder Zeit für einen seelischen Stuhlgang – Mecker-Zeit ;o)! Von Marilyn Manson habe ich ja schon lange nichts mehr gehört und gesehen, aber die wenige Male, bei denen ich ihn im Fernsehen sah, denke ich mir im Nachhinein: Der Mann hat sicher keinen Spaß im Leben. Der gute Marilyn kriecht psychisch wohl ziemlich auf dem Zahnfleisch dahin, aber tut er auch was dagegen? Es scheint so ein Trend in den amerikanischen Medien oder zumindest bei manchen Künstlern zu sein, Depressionen zum Lebensgefühl und zur hippen Einstellung zu erheben. Und die ganzen Emo-Boys ziehen nach und laufen rum wie Transgender-Junkies. Dabei sind Depressionen absolut kein Spaß, die wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind (na ja, manchen vielleicht ;o)…)! Lady Gaga hat ja auch offensichtlich ein ziemliches Problem, aber ihre Musik ist perfekt-spritziger Electro-Pop und sie hat schon Botschaften und Humor. Aber arbeitet sie wirklich an sich selbst? Unter Schwulen wird sie ja anscheinend zum Teil vergöttert, anscheinend wegen dieser Einstellung, psychische Probleme seien doch cool, warum was dagegen tun, wenn man doch damit reich und berühmt werden kann? Dass die Leute immer auf so billige Maschen reinfallen! Ich bemerke das bei mir, als Jugendlicher vergötterte ich Marilyn Monroe, wie anscheinend so mancher andere homosexuelle Mann, einfach aus dem Grund, weil sie auch als Kind vernachlässigt und missbraucht wurde, nicht damit zurande kam und sich auch in der ewigen Opferrolle befand, aber dennoch eine der faszinierendsten und zelebriertesten Persönlichkeiten ihrer Zeit wurde. Bis zu ihrem Tod merkte man ihr aber den Missbrauch an, da sie sich ständig verstellte und sich eine Kunstfigur überstülpte. Ihre einzige Bestätigung fand sie, wenn sie auf Männer anziehend wirkte. Einen ganz anderen Weg ging da Nico (Christa Päffgen), die

Nico

Nico

Kölner Singer/Songwriterin, die allerdings in Deutschland unter „gehasst und vergessen“ rangiert, obwohl sie eine der faszinierendsten Künstlerfiguren ist, die das Land in der Postmoderne hervorbrachte. Sublimierte sie ihren Missbrauch auch durch das Erschaffen einer zweiten Identität, Nico, Drogensucht etc., konnte sie kurz vor ihrem Tod 1988 ihre Probleme aufarbeiten und erscheint in ihrem letzten Fernsehinterview, das in Berlin aufgenommen wurde, ungewohnt glücklich und zufrieden. Sie sprach auch davon, die künstliche Identität aufzugeben und weiter als „Christa“ Musik zu machen. Ihre Musik ist auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer Psyche, eine radikale Abkehr von jedem zeitgenössischen Trend und hat deshalb ihre zeitlose Qualität bis heute bewahrt. Weil sie nicht gefallen wollte und nicht mit der Masse mitlief, wurde sie aber ziemlich oft angefeindet und verspottet, obwohl sie ein kluge, ernste Frau war. (Erwähnte ich schon, dass ich sie als meine Seelenverwandte betrachte?) Undank ist der Welten Lohn! Was ich damit sagen will: Natürlich sollen Künstler ihre Probleme verarbeiten, das ist faszinierend, das ist toll. Aber bitte nicht (psychisches) Leid zum Trend und hippen Lebensgefühl erheben, so werden die Leute mit Problemen nur immer noch gestörter, was ich schon in Schwulenbars für Gestalten getroffen habe… Aber das ist eine andere Geschichte!

Wir sind ganz lieb!

BildEiner der netten User auf queer.de antwortete mir:

Wenn DU einige Rechte nicht haben willst, dann verzichte doch einfach drauf! Was soll denn dein Getue?! Warum sollen sich andere nach dir richten, ALEXANDRE?! Du bist doch nicht SCHWUL, dann kann dir das doch SCHEISSEGAL sein!! (David77)

Hier fühlt sich anscheinend jemand sehr schnell sehr angegriffen und verunsichert. Sicher sind das Heteros zum Teil auch, wenn es um die sogenannte Homo-Ehe geht (der kommentierte Artikel drehte sich um den Demonstrantenzusammenstoß in München) – das Getue darum auf beiden Seiten halte ich oft für überzogen. Die Rechte der eingetragenen Lebenspartnerschaft gehören gestärkt, natürlich, aber darum geht es mir gerade gar nicht. Regelmäßig denke ich bei aggressiven, pöbelnden Kommentaren oder Posts homosexueller Menschen im Internet oder wenn ich welche im echten Leben treffe an die Einleitung eines sehr schlauen Artikels:

Ever since I saw the film Mean Girls, almost ten years ago, I have been waiting for Mean Gays. (http://www.americanthinker.com/2012/12/mean_gays.html)

Der Autor schreibt u.a.:

Male troops, when sequestered into platoons and cut off from news of the outside world, act like high school girls: forming backstabbing cliques and bad-mouthing one another to get ahead.  Barracks intrigue can be much like girlish cafeteria politics: picayune and invidious in its principles, yet Shakespearean in its performance.  When one is defined purely by the worth of one’s body, one’s appearance, and one’s utility to larger societal purposes that one is not allowed to decide, one starts to whine and connive.  Hence, soldiers and women have often shared the same sense of powerlessness and passive-aggressiveness.  (As would gays, who fit much of the above checklist.) […] [These are] tactics that countless gays and lesbians have learned: stay offensive, hurt others before they hurt you, gather allies around you through sarcastic mockery, and humiliate until you get your way.  That’s how women held each other back for thousands of years.  That’s how soldiers led each other into innumerable acts of fratricide and sabotage.

Das hat meiner Meinung nach nichts mit irgendeiner speziellen Natur von homosexuellen Menschen zu tun, sondern einfach mit der menschlichen Psyche. Wer sehr verletzt und innerlich unsicher ist, lässt das leider gerne an anderen aus, auch wenn sie einen durch abweichende Standpunkte scheinbar in Frage stellen. Die wahre Kunst ist, zunächst einmal an sich selbst zu arbeiten und nicht immer die anderen unter seinen eigenen Problemen leiden zu lassen. Ein zufriedener Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist, geht ganz anders mit verschiedenen Situationen um und schätzt Dinge anders ein – Stichwort Opferrolle. Ich will nicht behaupten, ich sei der stabilste Supermann, aber oft komme ich mir in Situationen wie diesen doch etwas reifer vor. Zumindest arbeite ich an mir ;o).

Ich habe mir schon mal scherzhaft gedacht, der LSVD sollte eigentlich gratis-Psychotherapieplätze anbieten. In der Tat bin ich aber wieder in meiner Haltung bestätigt worden, die ich mit amerikanischen homosexuellen Bloggern teile, mich nicht mehr als schwul/gay/queer etc zu bezeichnen, sondern als homosexuell oder einfach als Mann, der auf Männer steht. „Schwul“ ist nicht nur zu einer eigenen Kultur verengt worden, sondern anscheinend für einige eine eigene, extreme Geisteshaltung. Da kann ich einfach nicht mitmachen, ich bin aber auch kein Gruppen-/Massenmensch.

Aber homosexuelle Menschen gehen ja auch nicht mit der Masse, als Minderheit sollte man doch mit gutem Beispiel vorangehen – oder? In dem sehr interessante Artikel über Gay Pride Parades, den ich vorangehend einmal verlinkte, steht folgendes Zitat:

As a person of color in America, sometimes you’re going to have to do two for a white person’s one. That’s not fair, but that’s life. (http://www.theroot.com/views/where-s-pride-pride-parades)

Auch als homosexueller Mensch, der nicht ins Massenschema passt, sollte man meiner Meinung nach deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und auch nicht billige Klischees propagieren, Stichwort z.B. Tuntigkeit, Stichwort Gehabe bei Gay Pride Parades etc etc.

Aber was red ich da, die Schwulen sagen sich ja gegenseitig immer, wie toll sie nicht seien, die wollen ja keine Kritik hören. OK, jetzt klinge ich bitter ;o).

Gehabt euch wohl!
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Frauen-Power!

women_power_760215Heute hatte ich in der Arbeit ein interessantes Erlebnis, das mich zum Nachdenken brachte. In meinem derzeitigen Job habe ich immer wechselnde Vorgesetzte, die mir eine Gruppe von Menschen vorsetzen, die ich dann eine Zeit lang bespaßen und wieder abliefern muss. Der heutige Vorgesetzte war ein bisschen ein Kotzbrocken, reagierte auf Nachfragen spöttisch und lastete uns Kollegen zum Schluss noch Extraarbeit auf, die eigentlich sein Bereich wäre. Meinen Kolleginnen fiel das aber gar nicht auf, sie schwärmten davon, wie gut er nicht aussehe und rissen sich um die Extraworkload. Da dachte ich mir schon so, gibt es auch so etwas wie Vaginasteuerung? Hätte ich was gesagt, wäre ich aber angebitcht worden. Wieder einmal dachte ich mir, selbst wenn ich hetero wäre, viele Frauen gehen mir oft auf die Nerven. Nicht aus Frauenhass, aber im Kollegenkreis meiner wechselnden Jobs mit hohem Frauenanteil habe ich immer wieder Frauen kennengelernt, die dieselben lästigen Eigenschaften zeigen. Sie aufzuzählen, würde ins Hatertum abdriften, aber wer mich versteht, weiß wohl, wovon ich spreche. Im Freundeskreis habe ich schon auch Frauen, aber hoffentlich schlauere. Jetzt soll mich aber niemand falsch verstehen, ich bin absolut für die Gleichberechtigung, aber heute kann man zum Teil doch schon von einer Abwertung des Männlichen bzw Männerdiskriminierung reden, zumindest im öffentlichen (Medien-)Leben. Frauen würden ja alle diese ach so tollen Eigenschaften zeigen, in der Praxis allerdings beobachte ich das nicht soo oft und erlebe Männer als Kollegen als unkomplizierter und verträglicher, die, die es nicht sind, fallen mir auf. Oder sie sind homosexuell, ich habe schon einige Kollegen erlebt, die einfach weibliche Eigenschaften nachahmen, besonders die klischeehaften Tussi-Eigenschaften. Das finde ich sehr merkwürdig und unnötig und es ist auch sehr bedauernswert, wenn unsere Gesellschaft immer noch Botschaften aussendet, dass Männer, die nicht heterosexuell sind, irgendwie „Frauen“ sind, die dann von den Betroffenen verinnerlicht werden. Man(n) muss sich leider immer noch auf die eigenen Füße stellen, denn ich habe oft den Eindruck, viele Betroffene verbreiten selbst solche Meinungen, weil sie es anscheinend nicht besser wissen. Sapere aude!

Meckern hilft!

BildIch sagte zu mir selbst ja schon, ach, in deinem Blog, da meckerst du nur so rum, ziemlich negativ irgendwie… Aber, wie sagte ein altersweiser Arbeitskollege heute zu mir: „Meckern ist der Stuhlgang für die Seele.“ Ein bisschen Meckern darf also schon sein, und die deutschsprachige homosexuelle Medien-/Meinungslandschaft erscheint mir so eintönig und gleichgeschaltet manchmal. Big Gay Brother is watching you?!

Daddy Love!

BildOutsports.com berichtet couragiert: „College football player Jamie Kuntz kicked off his team for kissing his boyfriend!“ (http://www.outsports.com/2012/9/10/4053650/college-football-player-jamie-kuntz-kicked-off-his-team-for-kissing/in/3825087) Das klingt natürlich nach der üblichen Die-bösen-Heteros-Geschichte, ein armer Bursch küsst unverblümt die Liebe seines Lebens und die homophoben Heteros machen ihn zur Schnecke.

In Wirklichkeit sieht die Sache aber etwas anders aus und berührt zwei Themenbereiche, die mir schon länger auffallen. Der Spieler saß in der sog. Press Box und küsste seinen Freund, wobei Zeugen das dumpfe Gefühl hatten, da ginge auch noch mehr vor sich. Falls das stimmt, ist das schon etwas Ähem, und ich glaube, ein Hetero-Spieler bekäme dafür genauso Probleme. In der Tat log der Bursch aber, das sei gar nicht sein Freund, was ihm später vorgeworfen wurde, sonder es sei sein Großvater gewesen. Ja, richtig, sein Großvater, denn sein Freund ist rüstige 65.

Da ziehts einem ja die Schuhe aus! Nicht nur, dass das illegal sein könnte, der Kuss also eine illegale Handlung war – ich kenne das Schutzalter in den USA nicht -, das ist auch ziemlich pervers in meinen Augen. Und mir vollkommen unverständlich, denn dieser Fußballspieler ist nicht irgendein Nerd, der sonst niemanden abkriegt, sondern zumindest dem Foto nach heiß und maskulin. Man stelle sich mal so einen Burschen mit einer 65jährigen Frau vor! Eben, es ist irgendwie widerlich.

Aber das ist kein Einzelfall. Immer wieder sieht man in den Medien junge Männer oder sogar noch Burschen, die Partner haben, die ihre Großväter sein könnten. OK, wenn der alte Mann so aussieht und so eine Ausstrahlung hat wie Sean Connery, OK, da lässt sich drüber reden. Tut er aber nicht. Da kenne ich mich zuwenig aus, aber irgendwas muss bei diesen jungen Männern psychisch ziemlich schief laufen oder schief gelaufen sein.

Aber wir schreien wieder gleich laut: Homophobie! Das ist mittlerweile so eine billige Nummer geworden, sofort, wenn einem die Meinung des anderen nicht gefällt oder jemand einen kritisiert und mal nicht nach unserer Pfeife getanzt wird: Homophobie! Oder besser noch: internalisierte Homophobie, weils so schön pseudo-therapeutisch klingt und nebulös ist. (In der Regel leiden aber meist die, die mit solchen Begriffen inflationär um sich werfen, eben genau darunter.) Hätte der Bursch seine 65jährige Freundin geküsst und das hätten die anderen nicht so toll gefunden, hätte er dann geschrien: Heterophobie?!

Es wird Zeit, sich nicht mehr wie das ewige Opfer zu benehmen. Zugegebenermaßen, in Deutschland war da ja Charlotte Knobloch ein ewig präsentes Vorbild, aber sogar die wurde inzwischen abgesägt und niemand weint ihr eine Träne nach.

In einem anderen, wirklich wunderschönen Artikel auf Outsports.com (http://www.outsports.com/2013/5/28/4352892/jallen-messersmith-gay-college-basketball-player-benedictine-college-kansas) über das Coming Out eines College Basketballspielers sagt dieser:

„You’ve just got to be comfortable with yourself,“ he said. „I wasn’t very comfortable with myself for a long time and then when I was, if you put off the confidence and you are 100% comfortable when you tell someone, they will support you. They can’t, as much as they can try, drag you down. It’s all about you. It’s what you think. If you are comfortable with yourself, you can do anything.“

Der Spieler wird auch als „just one of the guys“ bezeichnet und wird von den Mitspielern so behandelt. Er benimmt sich wohl anständiger als sein Daddy-Love-Kollege. Und in der Tat: Wer mit sich selbst nicht im Reinen ist, projiziert das eigene negative Selbstbild in die Handlungen anderer und fühlt sich ständig angegriffen, als Opfer etc. So jemand kann auch keine Fehler eingestehen.

Aber wer ständig rumheult und rumbitcht, wird irgendwann gemieden und geschnitten. Selbst ich meide ja schon Ansammlungen homosexueller Menschen, leider. Und die Heteros sind in der Mehrheit, da führt kein Weg daran vorbei, man sollte es sich also nicht mit ihnen verscherzen und Opfer echter Homophobie diskreditieren.

Komm, wir spielen Hetero!

trles908_img_1445Mein lokales Käseblatt hatte vor kurzem die Schlagzeit „Frauenhochzeit in XY!“ Der Artikel hatte Fotos von einer Frau im Brautkleid und einer Frau, die sich als Mann verkleidet hatte, und es wurde stolz erzählt, dass die „Braut“ (also die Frau im weißen Kleid) auch entführt wurde etc etc.

Manche Leute wollen anscheinend auf Biegen und Brechen hetero sein. In den USA verstehe ich die Forderung nach der sog. „Homo-Ehe“ ja noch von der Logik her, denn dort gibt es nichts wie eine eingetragene Lebenspartnerschaft o.ä. Aber in Deutschland? In den einschlägigen Medien hat man(n) schön langsam das Gefühl, wenn nicht sofort die Homo-Ehe eingeführt wird, geht morgen die Welt unter. Und die eingetragene Lebenspartnerschaft, für die so lange gekämpft wurde? Vollkommen out, wir brauchen ein neues Spielzeug.

Dabei trägt sie schon so einen schönen Namen. Lebenspartnerschaft. Eine Partnerschaft fürs Leben. Und Ehe? Da denke ich an meine Eltern, er der Geldverdiener, sie Hausfrau, beide eigentlich irgendwie damit frustriert. Und, bei Ehe denke an einen Mann und eine Frau. Alle Riten, Gebräuche und Vorstellungen rund um die Ehe sind dafür ausgelegt: für einen Mann und eine Frau. Und das ist keine Erfindung der Moderne. Ich zumindest sehe nicht ein, warum meine Beziehung mit einem anderen Mann eine Parodie oder Nachäffung einer heterosexuellen Beziehung werden soll. Dafür ist sie mir zu schade. Mann-Frau-Rollenspielchen sind im Grunde genommen hier heterosexistisch. Das fängt damit an, dass mein Partner nicht mein „Mann“ ist, denn ich bin nicht seine „Frau“, sondern mein Lebensgefährte (schon wieder so ein schönes Wort!), und hört damit auf, dass ich es schade, langweilig und auf gut bayerisch „schiach“ finde, wenn bei zwei Frauen eine meint, sich als Mann verkleiden zu müssen.

Beziehungen zwischen zwei Männern und zwei Frauen haben eine ganz andere Dynamik und Form der Rollenverteilung, wenn sich beide in ihrem Geschlecht sicher sind bzw wohl fühlen. Das ist eine eigene Form des Umgehens miteinander, die etwas ganz Besonderes ist. Das gehört doch gefeiert, das gehört zelebriert!

Ein interessanter englischer Artikel dazu hier: http://whiskydreams.wordpress.com/2013/04/21/my-ever-devolving-stance-on-gay-marriage/

Let’s do a Drag Race!

BildWie queer.de berichtet (http://www.queer.de/detail.php?article_id=19824), ist eine deutsche Version von RuPauls TV-Drag Queen-Contest geplant. Ein Pressesprecher sagt: „Mit den Olympischen Spielen in Sotschi ist Homosexualität ein großes Thema. Das Interesse ist da!“

RuPaul scheint ja überall mit dabei zu sein, und wenns auch nur die Eröffnung eines Briefkuverts ist. Zu diesen Plänen kann man salopp sagen: Die Schwulen verarschen sich mal wieder munter selber. Gepflegter ausgedrückt ist diese Darstellung von (männlicher) Homosexualität heteronormativ, heterosexistisch und homophob to the core. Schon Bruce Bawer bemerkte in seinem immer noch empfehlenswerten Grundlagenwerk „A Place at the Table“ (1993), Drag Queens seien die ultimative Darstellung von homosexuellen Männern als absurde, groteske Figuren. In der Tat wird hier doch das Bild vermittelt, Männer, die auf Männer stehen, seien eigentlich Frauen, heimlich Frauen, wären eigentlich gerne Frauen, hätten gar kein definierbares Geschlecht etc. Alles Vorurteile so mancher Heteros. Zudem ist aber das Bild von Weiblichkeit, das diese Drag Queens vermitteln, im Grunde genommen sehr männlich, denn es sind meistens „Frauen“, die (sexuell) aggressiv und plakativ hyper-feminin sind. Eine echte Frau würde sich nie so geben, und Frauen würden auch wohl andere Frauen nicht so „erschaffen“.

Jack Donovan, dessen Schriften wie „Androphilia“ ich wirklich jedem nur ans Herz legen kann, erlebte in seinem früheren Leben u.a. als schwuler GoGo-Tänzer Drag Queens oft am eigenen Leib und beobachtete, dass dies psychisch oft auffällige Menschen seien, die recht problembeladen durchs Leben gingen. Bei Olivia Jones glaube ich das sofort ;o).

Natürlich folgen Shows wie diese nur dem allgemein Trend zur Trash-Kultur im Fernsehen. Aber ist es nicht schauderhaft, dass Liebe und Sexualität zwischen Männern bei diesem Ramsch mitverwurschtelt wird?

Und ganz ehrlich: Drag Queens sind meistens nicht schön. Die „Künstler“ müssen irgendwie einen innerlichen Drang haben, jemand anderes sein zu wollen und sich zu verbergen hinter einer lauten, selbstbewussten Maske. Schade eigentlich, denn heute tragen doch so viele Leute irgendwelche Masken. Seien wir doch wieder mehr wir selbst!

Feel the Pride

BildDie Gesetze in Russland gegen positive „Propaganda“ für Homosexualität sind natürlich bestürzend und menschenverachtend. Als kleinen ironischen Seitenhieb kann ich mir aber nicht verkneifen, dass den Verantwortlichen die westlichen Gay Pride Parades aber eigentlich gefallen müssten, denn viel Positives kann ich da wahrlich Bildnicht erkennen. Eine Party-Truppe lebt munter ihre Travestie-, Fetisch- und Exhibitionismus-Neigungen aus. Das ist oft nicht mal sexy. Klinge ich verklemmt? Ich bin es bei weitem nicht, aber es macht mir große Sorgen, was für ein Bild von Homosexualität hier in der Öffentlichkeit propagiert wird. Stichwort Einseitigkeit: Der Mann auf dem Bild macht Werbung für „Celebrate Diversity“ – das Spektrum des Auftritts auf den Gay Pride Parades ist aber doch recht einseitig. Und warum muss man(n) sich überhaupt wild kostümieren, um Homosexualität zu zelebrieren? Habe ich was verpasst, geht es dabei um Karneval? Das ist deshalb so beklemmend, da es mir nicht nur um das Bild geht, das Heterosexuelle von Homosexuellen bekommen. Jugendliche, die erkennen, dass sie auf das eigene Geschlecht stehen, denken sich bei solchen Bildern vielleicht „So sind die also“, und geraten in einen ziemlichen Konflikt, weil sie „so“ nicht sein wollen. Vielleicht weil sie ihren Hausverstand oder Anstand noch nicht ganz über Bord geworfen haben ;o).

Einen sehr interessanten englischsprachigen Artikel dazu fand ich hier: http://www.theroot.com/views/where-s-pride-pride-parades

Kritiker aus den eigenen Reihen, die erkennen, was hier abläuft, werden natürlich bitchig in den schwulen Medien abgewatscht: http://www.queer.de/detail.php?article_id=19394

Feel the pride ;o)!

Hallo, Welt!

Schwule Online-Medien sind was Wunderbares. Auf http://www.queer.de ist bei der Kommentarfunktion zu lesen: „Die Meinungsfreiheit ist uns sehr wichtig!“. In der Tat posten dort User immer wieder so „nette“ Kommentare wie:

In der Psychologie nennt man Leute wohl paranoid, die an ein unsichtbares, allmächtiges Wesen glauben, welches sie ständig beobachtet und nach Gutdünken bestrafen oder belohnen kann.
Klar ist Religion eine Geisteskrankheit. Daran besteht für mich kein Zweifel und es ist mir auch ziemlich egal, ob ich die Gefühle von irgendwem damit verletze. (Harry1972)

 

Oder:

Ich zumindest […] sehe jede Art „Gläubigkeit“ als schwere psychische Störung. Wenn Erwachsene Befehle von einem eingebildeten Gott entgegennehmen, damit Zwiesprache halten und ihm huldigen (oder wie bei der römisch-katholischen Sekte rituell Menschenblut trinken und Menschenfleisch essen), dann ist das mMn durchaus tief gestört. (usererer)

 

Diese Kommentare bestechen natürlich durch ihre Gedankentiefe und Toleranz. Immer wieder treffe ich gerade homosexuelle Menschen, die diese Qualitäten ironischerweise stark vermissen lassen. Auch auf queer.de werden meine Kommentare regelmäßig zensiert, obwohl ich mich sicherlich nicht auf einem Niveau wie die obigen Posts bewege.

Aber ich will ja nicht lästern ;o). In der Tat hat aber deshalb dieser junge, freigeistige Mann aus Niederbayern, der diese Zeilen gerade schreibt, beschlossen, auch in die wunderbare Welt der Blogs einzusteigen. Soviel als erste Worte, mehr über mich und meine (Gedanken-)Abenteuer in Folge.

Gehabt euch wohl!


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