Daddy Love!

von alexandreandhephaistion

BildOutsports.com berichtet couragiert: „College football player Jamie Kuntz kicked off his team for kissing his boyfriend!“ (http://www.outsports.com/2012/9/10/4053650/college-football-player-jamie-kuntz-kicked-off-his-team-for-kissing/in/3825087) Das klingt natürlich nach der üblichen Die-bösen-Heteros-Geschichte, ein armer Bursch küsst unverblümt die Liebe seines Lebens und die homophoben Heteros machen ihn zur Schnecke.

In Wirklichkeit sieht die Sache aber etwas anders aus und berührt zwei Themenbereiche, die mir schon länger auffallen. Der Spieler saß in der sog. Press Box und küsste seinen Freund, wobei Zeugen das dumpfe Gefühl hatten, da ginge auch noch mehr vor sich. Falls das stimmt, ist das schon etwas Ähem, und ich glaube, ein Hetero-Spieler bekäme dafür genauso Probleme. In der Tat log der Bursch aber, das sei gar nicht sein Freund, was ihm später vorgeworfen wurde, sonder es sei sein Großvater gewesen. Ja, richtig, sein Großvater, denn sein Freund ist rüstige 65.

Da ziehts einem ja die Schuhe aus! Nicht nur, dass das illegal sein könnte, der Kuss also eine illegale Handlung war – ich kenne das Schutzalter in den USA nicht -, das ist auch ziemlich pervers in meinen Augen. Und mir vollkommen unverständlich, denn dieser Fußballspieler ist nicht irgendein Nerd, der sonst niemanden abkriegt, sondern zumindest dem Foto nach heiß und maskulin. Man stelle sich mal so einen Burschen mit einer 65jährigen Frau vor! Eben, es ist irgendwie widerlich.

Aber das ist kein Einzelfall. Immer wieder sieht man in den Medien junge Männer oder sogar noch Burschen, die Partner haben, die ihre Großväter sein könnten. OK, wenn der alte Mann so aussieht und so eine Ausstrahlung hat wie Sean Connery, OK, da lässt sich drüber reden. Tut er aber nicht. Da kenne ich mich zuwenig aus, aber irgendwas muss bei diesen jungen Männern psychisch ziemlich schief laufen oder schief gelaufen sein.

Aber wir schreien wieder gleich laut: Homophobie! Das ist mittlerweile so eine billige Nummer geworden, sofort, wenn einem die Meinung des anderen nicht gefällt oder jemand einen kritisiert und mal nicht nach unserer Pfeife getanzt wird: Homophobie! Oder besser noch: internalisierte Homophobie, weils so schön pseudo-therapeutisch klingt und nebulös ist. (In der Regel leiden aber meist die, die mit solchen Begriffen inflationär um sich werfen, eben genau darunter.) Hätte der Bursch seine 65jährige Freundin geküsst und das hätten die anderen nicht so toll gefunden, hätte er dann geschrien: Heterophobie?!

Es wird Zeit, sich nicht mehr wie das ewige Opfer zu benehmen. Zugegebenermaßen, in Deutschland war da ja Charlotte Knobloch ein ewig präsentes Vorbild, aber sogar die wurde inzwischen abgesägt und niemand weint ihr eine Träne nach.

In einem anderen, wirklich wunderschönen Artikel auf Outsports.com (http://www.outsports.com/2013/5/28/4352892/jallen-messersmith-gay-college-basketball-player-benedictine-college-kansas) über das Coming Out eines College Basketballspielers sagt dieser:

„You’ve just got to be comfortable with yourself,“ he said. „I wasn’t very comfortable with myself for a long time and then when I was, if you put off the confidence and you are 100% comfortable when you tell someone, they will support you. They can’t, as much as they can try, drag you down. It’s all about you. It’s what you think. If you are comfortable with yourself, you can do anything.“

Der Spieler wird auch als „just one of the guys“ bezeichnet und wird von den Mitspielern so behandelt. Er benimmt sich wohl anständiger als sein Daddy-Love-Kollege. Und in der Tat: Wer mit sich selbst nicht im Reinen ist, projiziert das eigene negative Selbstbild in die Handlungen anderer und fühlt sich ständig angegriffen, als Opfer etc. So jemand kann auch keine Fehler eingestehen.

Aber wer ständig rumheult und rumbitcht, wird irgendwann gemieden und geschnitten. Selbst ich meide ja schon Ansammlungen homosexueller Menschen, leider. Und die Heteros sind in der Mehrheit, da führt kein Weg daran vorbei, man sollte es sich also nicht mit ihnen verscherzen und Opfer echter Homophobie diskreditieren.

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