Wir sind ganz lieb!

von alexandreandhephaistion

BildEiner der netten User auf queer.de antwortete mir:

Wenn DU einige Rechte nicht haben willst, dann verzichte doch einfach drauf! Was soll denn dein Getue?! Warum sollen sich andere nach dir richten, ALEXANDRE?! Du bist doch nicht SCHWUL, dann kann dir das doch SCHEISSEGAL sein!! (David77)

Hier fühlt sich anscheinend jemand sehr schnell sehr angegriffen und verunsichert. Sicher sind das Heteros zum Teil auch, wenn es um die sogenannte Homo-Ehe geht (der kommentierte Artikel drehte sich um den Demonstrantenzusammenstoß in München) – das Getue darum auf beiden Seiten halte ich oft für überzogen. Die Rechte der eingetragenen Lebenspartnerschaft gehören gestärkt, natürlich, aber darum geht es mir gerade gar nicht. Regelmäßig denke ich bei aggressiven, pöbelnden Kommentaren oder Posts homosexueller Menschen im Internet oder wenn ich welche im echten Leben treffe an die Einleitung eines sehr schlauen Artikels:

Ever since I saw the film Mean Girls, almost ten years ago, I have been waiting for Mean Gays. (http://www.americanthinker.com/2012/12/mean_gays.html)

Der Autor schreibt u.a.:

Male troops, when sequestered into platoons and cut off from news of the outside world, act like high school girls: forming backstabbing cliques and bad-mouthing one another to get ahead.  Barracks intrigue can be much like girlish cafeteria politics: picayune and invidious in its principles, yet Shakespearean in its performance.  When one is defined purely by the worth of one’s body, one’s appearance, and one’s utility to larger societal purposes that one is not allowed to decide, one starts to whine and connive.  Hence, soldiers and women have often shared the same sense of powerlessness and passive-aggressiveness.  (As would gays, who fit much of the above checklist.) […] [These are] tactics that countless gays and lesbians have learned: stay offensive, hurt others before they hurt you, gather allies around you through sarcastic mockery, and humiliate until you get your way.  That’s how women held each other back for thousands of years.  That’s how soldiers led each other into innumerable acts of fratricide and sabotage.

Das hat meiner Meinung nach nichts mit irgendeiner speziellen Natur von homosexuellen Menschen zu tun, sondern einfach mit der menschlichen Psyche. Wer sehr verletzt und innerlich unsicher ist, lässt das leider gerne an anderen aus, auch wenn sie einen durch abweichende Standpunkte scheinbar in Frage stellen. Die wahre Kunst ist, zunächst einmal an sich selbst zu arbeiten und nicht immer die anderen unter seinen eigenen Problemen leiden zu lassen. Ein zufriedener Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist, geht ganz anders mit verschiedenen Situationen um und schätzt Dinge anders ein – Stichwort Opferrolle. Ich will nicht behaupten, ich sei der stabilste Supermann, aber oft komme ich mir in Situationen wie diesen doch etwas reifer vor. Zumindest arbeite ich an mir ;o).

Ich habe mir schon mal scherzhaft gedacht, der LSVD sollte eigentlich gratis-Psychotherapieplätze anbieten. In der Tat bin ich aber wieder in meiner Haltung bestätigt worden, die ich mit amerikanischen homosexuellen Bloggern teile, mich nicht mehr als schwul/gay/queer etc zu bezeichnen, sondern als homosexuell oder einfach als Mann, der auf Männer steht. „Schwul“ ist nicht nur zu einer eigenen Kultur verengt worden, sondern anscheinend für einige eine eigene, extreme Geisteshaltung. Da kann ich einfach nicht mitmachen, ich bin aber auch kein Gruppen-/Massenmensch.

Aber homosexuelle Menschen gehen ja auch nicht mit der Masse, als Minderheit sollte man doch mit gutem Beispiel vorangehen – oder? In dem sehr interessante Artikel über Gay Pride Parades, den ich vorangehend einmal verlinkte, steht folgendes Zitat:

As a person of color in America, sometimes you’re going to have to do two for a white person’s one. That’s not fair, but that’s life. (http://www.theroot.com/views/where-s-pride-pride-parades)

Auch als homosexueller Mensch, der nicht ins Massenschema passt, sollte man meiner Meinung nach deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und auch nicht billige Klischees propagieren, Stichwort z.B. Tuntigkeit, Stichwort Gehabe bei Gay Pride Parades etc etc.

Aber was red ich da, die Schwulen sagen sich ja gegenseitig immer, wie toll sie nicht seien, die wollen ja keine Kritik hören. OK, jetzt klinge ich bitter ;o).

Gehabt euch wohl!
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