Depressions are fun!

von alexandreandhephaistion

bitching_1Es ist mal wieder Zeit für einen seelischen Stuhlgang – Mecker-Zeit ;o)! Von Marilyn Manson habe ich ja schon lange nichts mehr gehört und gesehen, aber die wenige Male, bei denen ich ihn im Fernsehen sah, denke ich mir im Nachhinein: Der Mann hat sicher keinen Spaß im Leben. Der gute Marilyn kriecht psychisch wohl ziemlich auf dem Zahnfleisch dahin, aber tut er auch was dagegen? Es scheint so ein Trend in den amerikanischen Medien oder zumindest bei manchen Künstlern zu sein, Depressionen zum Lebensgefühl und zur hippen Einstellung zu erheben. Und die ganzen Emo-Boys ziehen nach und laufen rum wie Transgender-Junkies. Dabei sind Depressionen absolut kein Spaß, die wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind (na ja, manchen vielleicht ;o)…)! Lady Gaga hat ja auch offensichtlich ein ziemliches Problem, aber ihre Musik ist perfekt-spritziger Electro-Pop und sie hat schon Botschaften und Humor. Aber arbeitet sie wirklich an sich selbst? Unter Schwulen wird sie ja anscheinend zum Teil vergöttert, anscheinend wegen dieser Einstellung, psychische Probleme seien doch cool, warum was dagegen tun, wenn man doch damit reich und berühmt werden kann? Dass die Leute immer auf so billige Maschen reinfallen! Ich bemerke das bei mir, als Jugendlicher vergötterte ich Marilyn Monroe, wie anscheinend so mancher andere homosexuelle Mann, einfach aus dem Grund, weil sie auch als Kind vernachlässigt und missbraucht wurde, nicht damit zurande kam und sich auch in der ewigen Opferrolle befand, aber dennoch eine der faszinierendsten und zelebriertesten Persönlichkeiten ihrer Zeit wurde. Bis zu ihrem Tod merkte man ihr aber den Missbrauch an, da sie sich ständig verstellte und sich eine Kunstfigur überstülpte. Ihre einzige Bestätigung fand sie, wenn sie auf Männer anziehend wirkte. Einen ganz anderen Weg ging da Nico (Christa Päffgen), die

Nico

Nico

Kölner Singer/Songwriterin, die allerdings in Deutschland unter „gehasst und vergessen“ rangiert, obwohl sie eine der faszinierendsten Künstlerfiguren ist, die das Land in der Postmoderne hervorbrachte. Sublimierte sie ihren Missbrauch auch durch das Erschaffen einer zweiten Identität, Nico, Drogensucht etc., konnte sie kurz vor ihrem Tod 1988 ihre Probleme aufarbeiten und erscheint in ihrem letzten Fernsehinterview, das in Berlin aufgenommen wurde, ungewohnt glücklich und zufrieden. Sie sprach auch davon, die künstliche Identität aufzugeben und weiter als „Christa“ Musik zu machen. Ihre Musik ist auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer Psyche, eine radikale Abkehr von jedem zeitgenössischen Trend und hat deshalb ihre zeitlose Qualität bis heute bewahrt. Weil sie nicht gefallen wollte und nicht mit der Masse mitlief, wurde sie aber ziemlich oft angefeindet und verspottet, obwohl sie ein kluge, ernste Frau war. (Erwähnte ich schon, dass ich sie als meine Seelenverwandte betrachte?) Undank ist der Welten Lohn! Was ich damit sagen will: Natürlich sollen Künstler ihre Probleme verarbeiten, das ist faszinierend, das ist toll. Aber bitte nicht (psychisches) Leid zum Trend und hippen Lebensgefühl erheben, so werden die Leute mit Problemen nur immer noch gestörter, was ich schon in Schwulenbars für Gestalten getroffen habe… Aber das ist eine andere Geschichte!

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