Der Landbursch und der Playboy – oder: No More Mr Nice Guy!

Also, dieser Beitrag wird jetzt ein bisschen locker-humorvoller. Man(n) muss ja oft Dinge mit Humor sehen, sonst wird man verrückt. Und ich bin ja jung und dumm und glaube an das Konzept des lebenslangen Lernens. Und ich habe gerade eine wichtige Lektion gelernt: Männliche Pritschn sind genauso arg wie weibliche Pritschn. Hier herrscht Gleichberechtigung.

Folgende Situation: Der Landbursch sehnt sich nach Liebe und Kontakten. Also erobert er die große weite Welt von Gayromeo. Ein Fehler? Na ja, nachdem die einzige schwule Bar in seiner niederbayerischen Stadt eine üble Spelunke und der Treffpunkt des Ruß‘ der Stadt ist, probiert er halt das Internet aus. Und lernt dort wirklich nette Männer kennen, so auch den Playboy aus der Großstadt. Der wär ja genau sein Typ, maskulin, lange Haare, Vollbart. Der Landbursch wittert einen interessanten Kontakt und textet drauflos. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Playboy schreibt aber schon locker-flockig in seinem Profil, er treffe sich nicht auf ein Bier, Drinks whatever. Er wolle sich keine Stories anhören, meint er auf Nachfrage, nur treffen, ficken, gehen. Der Landbursch ist so blöd und glaubt an das Gute im Menschen und seine eigene fesselnde Persönlichkeit.

In der Tat chattet er längere Zeit echt nett mit dem Playboy. Der wirkt so nett, schreibt, er sei so anders als die Schwulen in der Großstadt, die seien eh alle so blöd, und ihn fänden sie auch so blöd, er sei voll der Außenseiter und Freigeist, so nach dem Motto. Der Landbursch wittert ein wirklich interessantes Gegenüber. Man(n) chattet so vor sich hin, über dies und das, der Landbursch öffnet sich mehr. Der Playboy gibt aber eigentlich schon eindeutige Signale. Irgendwie geht er doch immer in die schwule Szene und grabscht da so ab, was so mitgeht. Und jetzt hätte man(n) schon so lange gechattet, und er habe jetzt inzwischen schon ein anderes Sexdate gehabt, und was das nicht für ein geiler Schwanz war. Aber ganz ehrlich: Schwänze sind nicht alles im Leben. Aber na ja. Der Playboy geht auf die 40 zu und hat schon sechs Beziehungen hinter sich. Also, wenn man das mal hochrechnet, so richtig lange hat da ja keine gedauert. Der Landbursch ist wohl irgendwie altmodisch. Der Playboy hatte in seinen 30ern anscheinend auch schon mal einen 65jährigen und einen 16jährigen Liebhaber. Der Landbursch ist schon so Feuer und Flamme, er ignoriert die Stimme der Vernunft, die sagt, wenn eine Frau in dem Alter solche Liebhaber hat, ist sie irgendwie pervers veranlagt, und wenn ein heterosexueller Mann solche Frauen hat, ist er das sowieso. Aber der Playboy ist halt so ein geiler Hengst, denkt sich der Landbursch. Das Blut ist halt nicht mehr so im Gehirn.

Es kommt, wie es kommen muss: man(n) will sich treffen. Der Playboy spricht geradeheraus von einem Sexdate, der Landbursch ist so verknallt schon, er ignoriert das, er denkt sich echt, der Playboy sei Mr Right. Der Abend ist sehr schön, obwohl der Playboy im Bett gar nicht so der Kracher ist, aber man(n) kuschelt danach so schön und nett, der Landbursch steht da voll drauf. Man(n) redet auch gut. Der Landbursch sagt zum Playboy, er hätte ihn ja so gern. Der Playboy sagt nix. Der Landbursch ist so naiv und unverbraucht noch, er checkt das nicht. Er fühlt sich auch nach dem Abend so gut und so geliebt, er ist ein bisschen ein einsames Herz. Landbursch halt.

Das Unglück nimmt seinen Lauf. Man(n) SMSst. Was Flirten anbelangt, sind ja SMS eine Erfindung des Teufels. Man weiß nie, was der andere wirklich meint. Oder warum er nicht zurück schreibt. Der Paranoia und Spekulation sind Tür und Tor geöffnet. Man schreibt so dahin, dass es ein schöner Abend war, und gute Nacht und guten Morgen und so. Wenn Männer verliebt sind und auch noch Sex mit dem Liebesobjekt hatten, brennen bei ihnen ja alle Sicherungen durch, das ist einfach hormonell bedingt. Außer sie sind so abgebrüht, dass man sie auch problemlos in kochendes Wasser tauchen könnte, sprich, sie sind Playboys. Der Playboy gab ja schon als Teenager Vollgas, aber das ist jetzt echt pillow talk. Der Landbursch denkt sich, uuuh, ich bin so einsam und unerfahren, der Playboy ist mein Retter in der Not, der Ritter auf dem Pferd, der heißeste Hengst im Stall. Verliebt halt, also VERLIIIEEEHHHBT. Der Playboy schreibt aber dann nicht mehr so zurück, der Landbursch fand die SMS sowieso irgendwie nicht mehr so romantisch. Romantische Andeutungen ignorierte der Playboy auch.

Der Landbursch bekommt einen Ausraster und beschwert sich, warum der Playboy nicht mehr zurückschreibt. Die Stimme der Vernunft sagt, wenn der Playboy ebenfalls verliebt wäre, würde der ja den Landburschen zutexten wie Sau. Tut er aber nicht, und jetzt schreibt er auch nur, der Landbursch soll sich nicht so haben, der Playboy muss ja immer arbeiten und dann gleich beim Fortgehen die Sau rauslassen, da kann man(n) ja nicht verliebten Landburschen noch SMS schreiben, das müsse er doch verstehen. Jetzt wirds so richtig assi, denn der Playboy zeigt sein wahres Gesicht als gefühllose Pritschn.

Der Landbursch ist ja so VERLIIIEEEHHHBT und schreibt diese Wahnsinns-Nachrichten über sein Leben, Liebeserklärungen an den Playboy, wie schlecht es ihm ginge. Dem hartgesottenen Playboy ist das natürlich scheißegal, er schreibt immer nur kurz zurück, er wisse jetzt auch nicht, was er dazu sagen solle. Das Schlimme ist: das stimmt wahrscheinlich auch. Dem Playboy sind so menschliche, echte Regungen wohl einfach fremd. Traurig. Ein typischer Großstädter? Ein typischer Schwuler? In der Tat herrscht ja auch bei Heteros anscheinend der Trend einfach nur zum Fick ohne irgendwelche tiefergehenden Gefühle und Gedanken. Schöne neue schwule Welt!

Der Landbursch heult einen ganzen Tag, er schläft einen ganzen Tag, er kann wieder klar denken. Er schreibt dem Playboy eine letzte Nachricht, wie assi er nicht sei etc. Dem Playboy ist das auch scheißegal, er könne dazu nix sagen. Wenns nicht gerade um Schwänze geht, können manche homosexuelle Männer wohl wirklich nicht mehr mitreden. Entschuldigt hat er sich beim Landburschen nie. Mit Anstand haben es ja so einige Schwule nicht so. (Der Playboy hat sich übrigens von der monogamen Beziehung verabschiedet. Ist eigentlich klar, Playboys brauchen ja immer ihre Bestätigung und keine Liebe.)

Der Landbursch ist aber nicht dumm, und versucht daraus zu lernen. Die Zeichen waren ja da, dass der Typ ein Playboy und eine männliche Pritschn ist. Der Landbursch war einfach mal wieder zu nett. Das geht aber auch vielen Hetero-Kerlen so, dass sie zu nett sind und immer an weibliche Pritschn geraten. Und männliche Pritschn gibt es anscheinend auch, die Welt ist so ein Jammertal ;o). Der Landbursch erholt sich und beginnt ein Buch zu lesen, „No More Mr Nice Guy“ von Robert A. Glover, ein Buch genau für Männer wie ihn. Der Playboy wünscht ihm in einer Nachricht „trotzdem alles Gute“. Der Landbursch wünscht ihm Aids mit der Extra-Portion Milch.

Glad to be gay! ;o)