Alexander's Male Loves

German adventures of a young guy into dudes

Nachtrag zu Richard Isay

Zuerst einmal muss ich mich entschuldigen, mein letzter Post zu Richard Isay war insofern pietätlos, als der Mann 2012 verstorben ist. Er schreibt also sicherlich nicht munter weiter. In der Tat finde ich aber seine Arbeit immer noch bedenklich. Der englischsprachige Wikipedia-Artikel nennt ihn einen „moral leader“ und „a hero“. Ich frage mich, ob er nicht ein Anti-Held insofern ist, dass er für die immer noch auch in pseudo-wissenschaftlicher Arbeit herumschwirrende Gedankenblase der „femininen“ Kindheit homosexueller Männer verantwortlich sein könnte, da er sie entschlossen propagierte. (Widerlegt wurde diese interessanterweise in einem Artikel von NARTH, einer etwas obskuren amerikanischen Vereinigung, aber dazu später mehr.) Natürlich erfreut(e) sie sich einer gewissen Beliebtheit, da sie ins Klischeebild eines heterosexistischen Weltbilds passte, obwohl nicht so genau klar ist, wie genau „feminine“ Jungs denn sind, und ob Hetero-Männer nicht auch in der Kindheit „feminin“ waren? Vielleicht hat so ein Verhalten eher etwas mit Intelligenz generell zu tun?

Was Richard Isay nicht bedacht hat, ist erstens, dass in der Psychoanalyse das Verhältnis Analytiker-Klient gerne etwas obskur und grenzüberschreitend ist. Analytiker bieten sich auch laut ihren Berichten gerne mal als Vaterfigur etc an. So fragte ich mich bei seinen Arbeiten, ob nicht er einfach seine eigene Geschichte in seine Klienten hineingelegt und hineinprojiziert hat, und/oder damit auch eher Klienten anzog, deren Geschichte der seinen entsprach, da sie ihn aufgrund derselben Erfahrungen für vertrauenswürdig u.ä. hielten. Er strahlt ja auf den Fotos etwas irgendwie Feminines aus, wenn ich das so sagen darf, aber auch etwas Naives, wenn ich so ehrlich denn sein darf. Seine abwesenden Reflektionen über das Zustandekommen und die Natur seines „Datenpools“ sind ja doch irgendwo blauäugig.

Genauso leichtgläubig halte ich seine Schlussfolgungen, seine Klienten seien in der Kindheit so „feminin“ und damit vom Vater abgelehnt wie von der Mutter eingenommen/dominiert gewesen, weil sie homosexuell sind, und das die daraus entstehenden Verhaltensmuster (Suche nach dem Vater etc.) etwas Typisches für homosexuelle Männer seien. Dass diese Männer irgendwo nach ihrem Vater suchen, weil das Verhältnis Eltern-Kind in dieser Konfiguration so problematisch war, erscheint mir logisch, wer sagt aber, dass dies zwangsläufig mit ihrer Sexualität zusammenhängt, sondern eben einfach mit ihrem Verhalten in der Kindheit und dem Verhalten ihrer Eltern. Bei heterosexuellen Männern mit dieser Kindheitsproblematik würde man ja auch nicht gleich darauf schließen, dieses Verhalten in der Kindheit und die Reaktion der Eltern darauf wären etwas typisch Heterosexuelles. Irgendwo ist Richard Isays Arbeit doch symptomatisch dafür, wie generell Minderheiten in wenig reflektierter Wissenschaft oder Psychologie in Schubladen und Schablonen mit Rückschlüssen gesteckt werden, die der Mehrheit oft nicht angelegt werden.

Ein anderes Phänomen hier wird, wenn ich mich richtig erinnere, in Robert Allan Brookeys Arbeit sehr gut aufgedeckt, nämlich, dass homosexuelle Menschen, die irgendwo in dem ganzen (Szene-)Geschwafel um ihre Sexualität und zB ihre „schwule Identität“ sozusagen „aufgehen“, oft ihre eigene Kindheit oder ihre eigene Biographie dahingehend für sich selbst umschreiben, d.h, bestimmte Dinge akzentuieren oder durch ihre Sexualität erklären, und andere nicht mehr betonen, um einer gängigen „gay childhood“ u.ä. zu entsprechen. Die vorabgepackte „schwule Identität“ macht manche richtiggehend zu Klonen, ich dachte mir das letztens wieder, als ich eine „Frau“ traf, deren Stylevorbild irgendwo James Dean war und die daherredete wie ein Fratboy. Oder ein anderesmal traf ich zwei ältere Männer, deren Stylevorbild es zu sein schien, die überkandidelste, pseudo-stylische Designer-Kleidung zu tragen, um dabei möglich schwul auszusehen (?), aber sie wirkten beide eigentlich so dermaßen unglücklich von ihrer Ausstrahlung her, dass ich mir dachte, na ja, glad to be gay ist doch ein leerer Slogan oft, besonders wenn das „gay“ eine vorabgepackte Identität beinhaltet, die ja meistens eigentlich eine negative, selbstdestruktive Pseudo-Identität ist (jeder, der einmal mit offenen Augen in einer Szene-Bar war, weiß wohl, was ich meine).

Alle diese Dinge, die Szene, die vorabgepackten „schwulen“ Identitäten und Lifestyles, die dann auch oft noch fanatisch verteidigt und mit larmoyantem Nörglertum als so in Gefahr gesehen werden, ziehen in meinen Augen Leute an, die in ihrem Leben Traumen ausgesetzt wurden, und durch das Nichtverarbeiten dieser Erlebnisse (die mit ihrer Sexualität zusammenhängen können, oder auch nicht) solche fehlgeleiteten Coping-Strategien fahren. Eine sexuelle „anything goes“-Mentalität, oft verbunden mit einer fanatischen Begeisterung für zum Teil absurde Fetische beispielsweise ist wohl eine Verteidigung gegen eine repressive Pseudo-Moral, die Homosexualität sofort unumstößlich ablehnt, und die diesen Menschen vielleicht irgendwann einmal eingetrichtert wurde. „Wenn ich schon abnormal bin, dann aber richtig! Wenn schon homosexuell, dann aber bitte 24/7 und so richtig!“ Na ja. Eigentlich leben diese Menschen aber die ihnen verinnerlichten negativen Botschaften nur selbst wiederum aus. Wie auch diese Tunten und (Pseudo-)Drag Queens, die man ja heutzutage schockierenderweise noch unter Jugendlichen findet. Was da im Elternhaus etc abgelaufen ist, möchte ich gar nicht wissen. Gut geht es diesen Jungs aber sicherlich nicht.

Das war das Wort zum Sonntag ;o)!

Analytiker, analysiere dich selbst! (Zu Richard Isays „Being Homosexual: Gay Men and Their Development“)

two-gay-adolescentsAnscheinend wird Richard Isays Arbeit (darauf aufbauend schrieb und schreibt er munter weiter) besonders im Anglo-Amerikanischen Raum gerne als wichtiger Klassiker angesehen. Ein ziemlich fataler Fehlschluss, in meinen Augen. Erstens einmal ist sein Werk in der (freudschen) Psychoanalyse verhaftet. Schon für diese theroetische Basis gibt es heute genug berechtigte Kritik, die hier nicht aufgezählt werden muss/kann, und das Modell der Psychoanalyse beherrscht Isays Denken auf einschränkende Weise.

Ein generell weit verbreiteter Fehler, den Isay begeht, ist, dass er seine Arbeit auf case studies fußt. Natürlich, als Psychoanalytiker eine praktische Methode, er scheint sich aber nicht deren Limits bewusst zu sein. Erstens gibt er damit nur die Entwicklungsgeschichten von Männern wieder, die so problembelastet waren, dass sie einen Analytiker aufsuchten. Das gibt einem zu denken, wenn er immer von „normal development“ etc spricht. Zweitens kam er damit nur an Männer ran, die in einer sicherlich streckenweise extrem homophoben Zeit (1989), auch im „wilden“ Amerika, bereit waren, ihm, einem Arzt, überhaupt mitzuteilen, dass sie auf das eigene Geschlecht stehen. Das waren sicher auch eher Männer mit bestimmten Eigenschaften und nicht eine breite Palette von Charakteren. So erscheint es schon nur so oberflächlich gesehen als fatal, dass Isay aus diesem „Datenpool“ Aussagen treffen will, die er generell allen homosexuellen Männern zuschreibt.

Das ist allerdings allgemein eine recht ärgerliche Krux mit vielen Studien oder Statistiken der Soziolgie. David Buss‘ „The Evolution of Desire“ (wenn ich mich an den Titel richtig erinnerte) stellte krasse Thesen auf mit Schlussfolgerungen wie Frauen sollten sich Faceliften lassen, (heterosexuellen) Männern gefiele das etc, wie sich danach herausstellte, war seine Hauptgrundlage anscheinend die Befragung von College-Studenten beim Weggehen. Das diese „Wählerschaft“ eigene Präferenzen hat, die vom Alter, der Situation etc. bestimmt werden, liegt wohl auf der Hand. Ganz abgesehen von dem Einfluss der Medien, der bei so Studien gerne mal heruntergespielt wird. Oder um auf das Thema des vorliegenden Buches zurückzukommen, irgendwelche Schmafu-Studien über homosexuelle Männer und ihre Hobbies oder ähnlich Weltbewegendes werden gerne in Szene-Bars durchgeführt, sicher aus rein praktischen Gründen, dass das dortige Klientel aber recht eigen, um nicht zu sagen psychisch auffällig sein kann und die „Szene“ für viele am gleichen Geschlecht interessierte Männer keine Heimat und kein (konstantes) „Betätigungsfeld“ ist, hat sich bei so manchen wohl noch nicht herumgesprochen, die sich mit diesem Thema beschäftigen. (Und sicherlich schon gar nicht 1989. Heutzutage gehen ja auch gerne mal Heteros in Schwulenbars.)

Allgemein ist das Werk auch veraltetem Wissen verpflichtet, aber das ist bei dem Erscheinungsjahr auch kein Wunder. Auch heutzutage gerne wiedergekäute homophobe, irgendwo rassistische Theorien über abweichende Hormone etc werden als neuestes Wissen verkauft, wenn auch nur nebenbei. Breiteren Raum nimmt die Darstellung des „femininen“ Verhaltens homosexueller Männer in der Kindheit ein, auch so eine alte Gedankenblase, die irgendwie immer noch rumgeistert. Isay spricht von ästhetischen, künstlerischen Zügen, erhöhter Sensibilität, sanften Charakterzügen usw. Er begeht den Fehlschluss, dies als Ausdruck der Homosexualität der Männer zu werten und ist damit einem alten homophoben Klischee aufgesessen. Genauso könnte man dies als generellen Charakterzug von heterosexuellen wie homosexuellen Männern werten, die (zB aufgrund ihrer Sensibilität) bereit sind, einen Analytiker aufzusuchen bzw einen aufsuchen müssen, oder, die offen zu Dingen wie Homosexualität (oder Depressionen etc.) besonders im Jahr 1989 standen (oder überhaupt schwere psychische Probleme haben). Das (angeblich, aber wirklich statistisch halte ich das eh nicht für belegbar) in künstlerischen Berufen mehr homosexuelle Männer arbeiten als sonstwo, ist nicht zwangsläufig ein Ausdruck einer „Künstlernatur“ bzw. „Exzentrizizät“ von gleichgeschlechtlichem Begehren, sondern eher eine Folge der Tatsache, dass solche Berufe immer schon ein sicherer Arbeitsplatz für Minderheiten waren, egal welcher Art. Es herrscht(e) dort ein eher toleranterer Wind. (Na ja, vom Bolshoi-Theater mal abgesehen. Wieder ein Argument gegen Pauschalisierungen.)

Isay konstruiert sein „normal development“ dann augrund von Schablonen der Psychoanalyse. Da geht es Ablehnung von seiten des Vaters, Begehren des Vaters etc. Das Kinder erotische Gefühle für den Elternteil einmal haben, der dem ihnen gefallenden Geschlecht entspricht, halte ich nicht für abwegig. Genauso können es aber auch Geschwister sein, wenn man nur die Familie betrachtet, die einen auch später in der Partnerwahl beeinflussen. Das ist die Krux seiner These, homosexuelle Männer suchten nach dem Vater in einem Partner, irgendwo auch wieder so eine Pathologisierung oder Verallgemeinerung, suchen heterosexuelle Männer nach der Mutter? Oder sucht man(n) nicht oft das Gegenteil? Oder eine Mischung? Es ist ja auch eine Tatsache, dass oft eine Widerspiegelung einer früheren Eltern-Kind Beziehung zu fatalen, destruktiven Beziehungen im Erwachsenenalter führt, wenn die damalige Beziehung nicht OK war. Mir gefällt immer dieser heidnische (?) Vermählungsspruch, in der Beziehung sei man „Vater, Sohn, Freund, Bruder, Geliebter“ oder so ähnlich (für Frauen dann äquivalent formuliert), der die vielen Rollen und aber auch die vielen Gründe für die Anziehung zu einer Person viel besser trifft in meinen Augen. Irgendwo asexualisiert oder verkindlicht es ja auch den Beziehungswunsch, wenn man einem Mann unterstellt, er suche primär nach einem Vater (oder einer Mutter). Die Männer, die das tun, halte ich für nicht unbedingt „normal“ entwickelt.

Isays Werk ist auch durchzogen von Mythen oder Binsenweisheiten der „Bewegung“, wie „Outing immer und überall, dann gehts dir super“ oder sich selbst als „gay“ zu bestempeln und „gay“ zu leben, sei befreiend. Immer mehr werden diese hinterfragt, ich denke an Blogs wie frotnation.com oder Autoren wie Bruce Bawer oder Jack Donovan. Das ist aber ein anderes, komplexeres Thema, aber wohl auch der Grund für das heutige Unglück so einiger homosexueller Menschen, das sich gerne hinter „Pride“-Masken verbirgt und sich ausdrückt zB in Sexsucht, Drogensucht (Crystal Meth). Zur Sexsucht bzw Angst vor fixen Beziehungen äußert sich Isay aber seinem neuesten Werk „Commitment and Healing: Gay Men and the Need for Romantic Love“ wieder mit seinem gängigen Muster der schlechten Eltern-Kind Beziehung, der Vater verstoße den homosexuellen Sohn, die Mutter vereinnahme ihn, weil er ja diese „feminine“ Natur zeige. Wiederum a) diese Pauschalisierung aufgrund eines heteronormativen Konstrukts nur wohl aufgrund von seinen Patienten (!) und b) eine ziemliche Unterstellung, alle homosexuellen Männer hätten Angst vor einer fixen Beziehung, und das alle genau aus den Gründen, die er gefunden haben will. (Und c) heterosexuelle Männer mit diesem Problem gibt es nicht? Und die waren dann keine „femininen“ Jungs, oder wie?)

In der Tat halte ich damit Richard Isays Werk für in seiner entschlossenen Naivität und Unreflektiertheit von eigener heteronormativer Verankerung bzw seiner Grundlagen für gefährlich, nimmt man(n) es für bahre Münze, was der gute Herr Isay und so einige andere ja anscheinend immer noch tun.

Ach ja:  Bisexualität gibt es für Herrn Isay anscheinend nicht?! Oder die Kinsey-Skala? Oder die (freudsche?) Theorie der angeborenen Bisexualität, die dann in die eine oder andere Richtung sich ausbalanciert (auf unterschiedlichste Art und Weise)?

Psycho-Blog!

psycho-anthony-perkins-as-norman-batesAlso, nur aus Selbstschutz, wer meint, einen auf Hater machen zu müssen und mein Blog wär irgendwie Psycho, der soll sich mal diese Ergüsse hier zu Gemüte führen:

http://robertlindsay.wordpress.com/

Das Geschreibsel ist so schauderhaft und absurd, dass ich mich schon frage, ob das Ganze irgendwie ein sozialwissenschaftliches Experiment ist. Einerseits berichtet der Mann offen über seine Vorliebe für Frauenkleider und seine wirklich perversen pornografischen Geschmäcker, hält aber gleichgeschlechtliche Liebe bei Männern für pervers und verbreitet abstruse Klischees, er hat aber überhaupt eine ganz eigenartige Beziehung zu diesem Geschmack und leidet unter der hysterischen Vorstellung, jeder andere Mann wolle ihm krass an die Wäsche (er „spüre“ das irgendwie). Er berichtet auch von äußerst abstrusen Erlebnissen mit anderen, offensichtlich schwulen Männern, ihrer diabolischen Ausstrahlung etc. Er behauptet steif und fest, er sei heterosexuell, aber so verdammt gutaussehend, meine Hinweise, er sehe ja auf dem Foto eher weniger attraktiv aus und ob er schon mal traumatisierende sexuelle Erfahrungen mit anderen Männern hatte (sexueller Missbrauch?), oder da irgendwas krass unterdrückt, was ja auch seinen ganzen Geschmack ziemlich aus dem Ruder gebracht zu haben scheint, brachten ihn ziemlich in Rage. (Nebenbei schwärmt er auch von Enthauptungsvideos. Missbrauch macht einen ziemlich verkorkst, ich weiß das.)

Das wirklich ärgerliche ist, dass er anscheinend als Therapeut und Lehrer arbeitet/gearbeitet hat. Auch da berichtet er davon, irgendwelche Schülerinnen hätten ihm dauernd den Arsch getätschelt. Na ja, des Menschen Fantasie ist sein Himmelreich. Andererseits aber wiederum aufschlussreich, wie das Personal im psychologischen/pädagogischen Bereich gerne mal so tickt, ich hatte da immer schon meine Vermutungen, wobei das ja wirklich ein krasser Fall ist.

Ist der Schüler bereit, erscheint der Lehrer ;o)!

I Hate David Garrett!

davidgarrett2Das Leben in Deutschland ist ja heutzutage voller Gefahren und potentiell traumatischer Erlebnisse, da kann man sich schon fragen, ob wir heute wirklich in besseren Zeiten leben als in den 1930ern. Sarkasmus beiseite, aber über die Massen- bzw. Populärmedien und ihre Brainwash-Maschinerie hätte Herr Goebbels wirklich seine allergrößte Freude. Ich denke da nur immer an den Spiegel-Artikel „Schwule haben Frauengehirne“, aber das reißt ein ganz anderes Thema auf, nämlich die modernen Nachfolger von Dr Mengele, die ihre rassistischen Tendenzen nun gerne an der künstlichen Erschaffung einer neuen Rasse auslassen, des homosexuellen Mannes, mittels dubioser Pseudo-Wissenschaft und ideologisch fragwürdiger Vortäuschung angeblicher Forschungsergebnisse, nur um ihre (latente) Homophobie zu befriedigen.

Aber jetzt komme ich ja ganz vom Thema ab. Denn David Garrett ist ja nicht wirklich eine Gefahr, wobei, gezielte Verblödung ist ja auch nicht ohne. Punkt 1: Er wird als unheimlich attraktiv gehandelt. Entweder von irgendwelchen Pressefuzzis, die sein Gesicht aufgrund der Stellung beim Anal- bzw. Oralverkehr nicht gesehen haben oder von irgendwelchen Frauen, die eigentlich unterdrückt auf Frauen stehen, jetzt mal ganz böse spekuliert. Betrachtet man(n) sein Gesicht genauer, passen die Züge ja überhaupt nicht zueinander und das ganze wirkt eher entstellt. Aber mit künstlichen Haaren und auffälligem, „schwulem“ Make-Up (siehe Foto) ist man(n) anscheinend der King, früher fuhren diese Strategien ja eher Frauen. Meine Friseurin, mit der ich mich mal gerne unterhielt, jetzt aber wohl eher nicht mehr, säuselte, er habe halt Ausstrahlung. Ich finde, der wirkt eher ein bisschen simpel. Das merkt man ja auch an seiner „Kunst“, die ja nur aus Weichspüler-Pop-Violingefiedle zu bestehen scheint. Vielleicht hat er ja tatsächlich eine gute Technik, aber hätte er eine ernstzunehmende künstlerlische Ader, würde er die auch zu ernstzunehmender Klassik nutzen.

Das merkt man ja auch an seinem neuesten „Projekt“, einem Paganini-Film. Da bin ich sicherlich voreingenommen, ich liebe Filme mit Klaus Kinski (privat war er natürlich ein Psychopath), und dessen letztes Projekt war ja eine faszinierende Paganini-Biographie. David Garrett hingegen dreht einen Schmusidusi-Streifen, in dem Paganini fleißig herumvögelt in romantischen Kulissen und nebenbei ein bisschen aufgeigt.

Eigentlich ist das Phänomen nicht neu, man denke nur mit Schaudern an Liberace, die Ober-Schwuchtel vom Dienst mit auch noch extrem bösartigen Zügen privat (zum Glück habe ich mir diesen neuen Film nicht angesehen, aber dass Tunten bösartig sind, ist für mich nichts Neues), der halt recht schnell die Tasten anschlagen konnten, sodass irgendwelche Frauen busweise zu ihm pilgerten. Wenn ich auf Frauen stehen würde, wüsste ich jetzt, was zu tun wäre, damit ich nicht mehr so einsam bin, aber dem ist ja nicht so.

Eine kluge Ladenbesitzerin sagte mal zu mir, egal wie man sei, Hauptsache man sei sich selbst und irgendwie originell, irgendwem gefalle das immer. Da ist sicher was Wahres dran. So klug ist sie dann aber auch wieder nicht, sie erklärte mir mal so nebenbei, Homosexualität komme von abweichenden Hormonen im Mutterleib oder Missbrauch. Es wäre doch mal faszinierend, das über Heterosexualität zu behaupten, oder? (Oder über Katholizismus, Protestantismus, Bierliebhaberei etc.) Wieder einmal dachte ich mir, wie gefährlich dieser Outing-Wahn heutzutage sein kann, ich hätte keine Lust gehabt, mich persönlicher über dieses Thema mit dieser Frau zu unterhalten. Aber Frauen haben da sowieso oft die eigenartigsten Meinungen, meine Friseurin zB besucht gerne mal irgendwelche Schwuletten in München, die den ganzen Tag im Bad verbringen und in Szenelokalen im 30-Minuten-Takt im Darkroom verschwinden, da wundert es mich natürlich nicht, das die gute Frau ein bisschen voreingenommen ist, aber das scheint ihr auch irgendwie zu taugen. Wieder mal eine Frau, bei der ich mir denke, ne, mit der unterhalte ich mich nicht mehr, sie wollte mir auch irgendeine „Heilerin“ schmackhaft machen, aber ich denke mir generell immer öfter, man kann sich ja mit gar niemandem heutzutage mehr unterhalten, natürlich, ich bin chronisch depressiv und gerne mal ein bisschen arg negativ/todessehnsüchtig unterwegs, aber die anderen Leute machen das oft auch nicht besser. Die wirklich clevere Frau letztens bei der Telefonseelsorge sprach von selbsterfüllenden Prophezeiungen, da ist sicher was Wahres dran.

Aber jetzt komme ich von David Garrett zu Todessehnsüchten, aber ganz ehrlich, ich sehe da eine gewisse Verbindung ;o)…

Let’s get physical!

sh_Fitnessstudio_Mann_800x462Ja, ich gebs ja zu, psychisch bin ich gerne ein bisschen assi unterwegs. Und mein ständiges Unglück in Beziehungsdingen (der Eintrag über den Playboy war ja nur die Spitze des Eisbergs) lässt mich auch gerne mal an mir, meinem Schicksal, dem Wille der Götter etc zweifeln. Scherzheft nenne ich mich gerne mal den Psycho Nr 1 der Stadt, ein Kumpel sagte dann „Sei nicht immer so gemein zu dir!“, aber humorvolle Selbstironie hilft. Jedenfalls wird einem da immer empfohlen, Sport zu betreiben, zB im Fitnessstudio. An sich kann ich mein Studio nur loben. Besonders der Trainer war überhaupt nicht vor den Kopf gestoßen davon, dass ich ihm offen sagte, eigentlich nur ins Studio gegen meine negativen psychischen Zustände zu gehen. Im Gegenteil wirkte er recht verständnisvoll und interessiert. Das weibliche Thekenpersonal scheint mich richtiggehend anzuflirten zum Teil, was an dem üblichen Publikum im Studio liegen könnte. Die Männer dort führen sich nämlich zT auf wie die größten (Männer-)Callboys der Stadt. Sich davon nicht irritieren zu lassen, hilft aber auch meinem Selbstwert.

Im Gegenteil, es ist richtiggehend skurril manchmal. Zum Beispiel der eine Typ, der Gewichteheber, natürlich hat er eine saugute Figur, aber er stemmt seine Gewichte immer vor dem Spiegel und checkt sich dabei selbst ab, ich mag gar nicht so genau hinschauen, denn irgendwann wird er beim Heben so eine Mega-Latte haben, das fände ich gruselig ;o).

Ein beliebter Ort für die Selbstdarstellung (Eigenwerbung?) ist natürlich die Umkleidekabine. Zum Beispiel der eine Typ, fast schon ein Muskelberg, sieht natürlich nicht schlecht aus, aber auf dem Weg zur Dusche wirft er sich selbst im Spiegel diese unheimlich selbstverliebten Blicke zu, dass ich mich schon fragte, ob man eine eingetragene Lebenspartnerschaft auch nur mit *einem* Partner beantragen kann?! Oder der andere, natürlich, er hat eine Traumfigur, ich hätte a) nichts dagegen, sie selbst zu haben und b) sicher auch nichts dagegen, ihn zu knallen, aber wie er mit Absicht nackt zur Dusche paradiert mit einer Aura von „Yeah, Babys, der geilste Stripper der Stadt ist wieder da, BITTE seht mich doch alle an“, fand ich sowas von irritierend, ich hätte ihm am liebsten ein paar Geldscheine nachgeworfen, oder besser noch, in den Arsch gesteckt, damit die Kasse wieder klingelt ;o).

Natürlich, vielleicht bewundere ich insgeheim dieses männliche Selbstbewusstsein. Mein Selbstbewusstsein kommt ja gerne mal ins Wanken. Ich denke zu viel nach etc etc. Allerdings, sind solche „Shows“ nicht eigentlich nur eine Fassade, um den eigenen mangelnden Selbstwert aufzubauen oder zu kaschieren?

An dem Abend mit diesen Erlebnissen kam ich mir wieder besonders assi vor, auch, weil ich keine Designer-Boxershort trage, und weil ich Körperbehaarung habe (…)! Aber ein sympathischer Typ checkte mich im Spiegel ab, als ich mir die Haare fönte, bzw suchte meinen Blick, vielleicht bin ich doch nicht so assi, dachte ich mir dann.

Wobei ja romantische Kontaktaufnahme im Fitnessstudio wieder so eine Sache ist. Wieder passieren ja nur mir diese verunsichernden Dinge. Natürlich sollte das in dem Studio nicht unbedingt an die große Glocke gehängt werden, dass man(n) die Gesellschaft von anderen Männern bevorzugt, manche (Hetero-)Männer sind ja da die größten Pussys nach dem Motto „Was, gemeinsam duschen? Der tackert mich hilfloses Wesen ja durch, bis mir der Arsch brennt, obwohl ich eigentlich ja potthässlich bin, und wo ist dann meine Mami etc etc???“ Aber ein älterer Mann, sagen wir mal, 45 (?), fiel mir in der Umkleidekabine negativ auf. Also, nur mir, er benahm sich nicht daneben oder so, gar nicht. Im Studio an sich dachte ich mir gar nichts, aber als ich im Vorbeigehen nur kurz „Tschüss“ sagte, lächelte er mich auf diese tuntig-verführerische Weise an, die ich nur all zu gut kenne und bei der es mir den Magen umdreht.

Aber dennoch bin ich sau froh, den Vertrag abgeschlossen zu haben. Immerhin lernt man nebenbei dabei auch wohl ein bisschen, sich sozial zu behaupten oder abzugrenzen. Letztens war auch eine junge Frau da, offensichtlich magersüchtig, da dacht ich mir, na ja, ich bin nicht der einzig Kranke hier, und sie gab Vollgas an der Geräten und wirkte dabei so happy, wahrscheinlich, weil jetzt endlich die Pfunde purzeln, sarkastisch gesagt. Wobei ich mir da schon dachte, ob man so jemandem einen Vertrag geben sollte? Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Let’s get physical!

Premonitions of a young man, unscathed…

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„I have always struggled with having true and substantial friendships/relationships with others. I have never allowed myself to fully deny what it is that I feel in my spirit, which has forced me into what most may call, a ‚loner‘ state, which I have grown to be quite comfortable with. I have always felt different and that I didn’t ‚fit-in‘. However, I never had a desire to follow the ‚crowd‘. On the surface, I appear to be a very happy, secure individual, unfortunately, what most don’t realize is that one is forced to portray these images, well, at least considering what cards Life has dealt to me. Do not be confused here, I am a very secure man, but insecurity tends to creep in when dealing with other humans, especially in the realm of relationships and friendships. The Lord blessed me from day one, with things that I don’t even realize to this day. I have found the true importance of not placing too much stock in humans, but instead, placing all faith, trust, belief and knowing into ‚THE SOURCE‘.“

„I was introduced to the gay/club scene shortly after turning sixteen years of age. I walked in,the lightning was just bright enough to see nearby faces, really loud music and people stumbling around, completely inebriated. What I distinctly remember is the amount of effeminate guys that filled the dance floor. Being sixteen years of age, experiencing this type of environment for the first time, I was absolutely disgusted. Although I lay with men, I have never lost sight of the fact that I am a man. In my mind, there is nothing better than manhood, something that most of these „so-called“ men are incapable of conceptualizing. Masculinity rests deep within the heart and soul of a man’s man, who understands that ‚fitting-in‘ is not an option. Often times, guys such as myself are ridiculed and quoted as being ‚homophobic‘. It’s as if you sleep with men, you are expected by other gays, as well as society, to act like a sissy, dress up in women’s clothing, or bullshit along these lines. It has been my experience that ignorance, divisiveness, separatism etc run rampant in the gay community, which leads me to the question: ‚Is there really any sense of community?‘ What I find interesting is how gays demand so much respect, but they ‚carry-on‘ for the sole purpose of obtaining attention. I feel that which each gay generation, the guys are becoming more and more flamboyant and for that reason alone,there will be more and more MEN, who acknowledge their sexuality, only in their mind, but will NEVER be a part of any type of ‚gay scene‘. I COMPLETELY understand that. This is very unfortunate for men like myself, because I tend to only approach men that are similar to myself. How are ‚we‘ supposed to encounter one another if we don’t come out of our shell?

There is a part of me that cannot deny that feminity is a part of some individuals‘ chemical make-up, and it is not rehearsed. There is also a part of me that attributes the lack of masculinity to the fact that most gay guys have been told their entire lives that they are nothing more than a ‚faggot‘. Most of these guys mentioned that their father was never around, that they were raised by their mother, or,they were constantly ridiculed by the male figures in their family, which led to a deep-seated self-hatred.

Stand up and be proud of the person that you were created to be. It’s not about being gay, or straight, it’s about being not only a person, a GOOD PERSON, who does the RIGHT thing, as much as possible, each and every day! To all of you guys out there hiding behind the curtains, for fear of being lumped into the ‚gay‘ category, do be mindful of the fact that you are only doing yourself a great disservice. Never underestimate the power of denial. Do not give others power over YOU. Be the individual that YOU are. Being proud of yourself doesn’t mean marching in some silly gay-pride parade, it means exploring the ‚individual‘ that you are, on a level that is so much deeper and greater than who you maintain a sexual relationship with. Once you lear the value of being real with yourself, EVERYTHING else will follow suit.“

– Terron  J. Cook: Premonitions of a young man, unscathed (2009)

 

Der Landbursch und der Playboy – oder: No More Mr Nice Guy!

Also, dieser Beitrag wird jetzt ein bisschen locker-humorvoller. Man(n) muss ja oft Dinge mit Humor sehen, sonst wird man verrückt. Und ich bin ja jung und dumm und glaube an das Konzept des lebenslangen Lernens. Und ich habe gerade eine wichtige Lektion gelernt: Männliche Pritschn sind genauso arg wie weibliche Pritschn. Hier herrscht Gleichberechtigung.

Folgende Situation: Der Landbursch sehnt sich nach Liebe und Kontakten. Also erobert er die große weite Welt von Gayromeo. Ein Fehler? Na ja, nachdem die einzige schwule Bar in seiner niederbayerischen Stadt eine üble Spelunke und der Treffpunkt des Ruß‘ der Stadt ist, probiert er halt das Internet aus. Und lernt dort wirklich nette Männer kennen, so auch den Playboy aus der Großstadt. Der wär ja genau sein Typ, maskulin, lange Haare, Vollbart. Der Landbursch wittert einen interessanten Kontakt und textet drauflos. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Playboy schreibt aber schon locker-flockig in seinem Profil, er treffe sich nicht auf ein Bier, Drinks whatever. Er wolle sich keine Stories anhören, meint er auf Nachfrage, nur treffen, ficken, gehen. Der Landbursch ist so blöd und glaubt an das Gute im Menschen und seine eigene fesselnde Persönlichkeit.

In der Tat chattet er längere Zeit echt nett mit dem Playboy. Der wirkt so nett, schreibt, er sei so anders als die Schwulen in der Großstadt, die seien eh alle so blöd, und ihn fänden sie auch so blöd, er sei voll der Außenseiter und Freigeist, so nach dem Motto. Der Landbursch wittert ein wirklich interessantes Gegenüber. Man(n) chattet so vor sich hin, über dies und das, der Landbursch öffnet sich mehr. Der Playboy gibt aber eigentlich schon eindeutige Signale. Irgendwie geht er doch immer in die schwule Szene und grabscht da so ab, was so mitgeht. Und jetzt hätte man(n) schon so lange gechattet, und er habe jetzt inzwischen schon ein anderes Sexdate gehabt, und was das nicht für ein geiler Schwanz war. Aber ganz ehrlich: Schwänze sind nicht alles im Leben. Aber na ja. Der Playboy geht auf die 40 zu und hat schon sechs Beziehungen hinter sich. Also, wenn man das mal hochrechnet, so richtig lange hat da ja keine gedauert. Der Landbursch ist wohl irgendwie altmodisch. Der Playboy hatte in seinen 30ern anscheinend auch schon mal einen 65jährigen und einen 16jährigen Liebhaber. Der Landbursch ist schon so Feuer und Flamme, er ignoriert die Stimme der Vernunft, die sagt, wenn eine Frau in dem Alter solche Liebhaber hat, ist sie irgendwie pervers veranlagt, und wenn ein heterosexueller Mann solche Frauen hat, ist er das sowieso. Aber der Playboy ist halt so ein geiler Hengst, denkt sich der Landbursch. Das Blut ist halt nicht mehr so im Gehirn.

Es kommt, wie es kommen muss: man(n) will sich treffen. Der Playboy spricht geradeheraus von einem Sexdate, der Landbursch ist so verknallt schon, er ignoriert das, er denkt sich echt, der Playboy sei Mr Right. Der Abend ist sehr schön, obwohl der Playboy im Bett gar nicht so der Kracher ist, aber man(n) kuschelt danach so schön und nett, der Landbursch steht da voll drauf. Man(n) redet auch gut. Der Landbursch sagt zum Playboy, er hätte ihn ja so gern. Der Playboy sagt nix. Der Landbursch ist so naiv und unverbraucht noch, er checkt das nicht. Er fühlt sich auch nach dem Abend so gut und so geliebt, er ist ein bisschen ein einsames Herz. Landbursch halt.

Das Unglück nimmt seinen Lauf. Man(n) SMSst. Was Flirten anbelangt, sind ja SMS eine Erfindung des Teufels. Man weiß nie, was der andere wirklich meint. Oder warum er nicht zurück schreibt. Der Paranoia und Spekulation sind Tür und Tor geöffnet. Man schreibt so dahin, dass es ein schöner Abend war, und gute Nacht und guten Morgen und so. Wenn Männer verliebt sind und auch noch Sex mit dem Liebesobjekt hatten, brennen bei ihnen ja alle Sicherungen durch, das ist einfach hormonell bedingt. Außer sie sind so abgebrüht, dass man sie auch problemlos in kochendes Wasser tauchen könnte, sprich, sie sind Playboys. Der Playboy gab ja schon als Teenager Vollgas, aber das ist jetzt echt pillow talk. Der Landbursch denkt sich, uuuh, ich bin so einsam und unerfahren, der Playboy ist mein Retter in der Not, der Ritter auf dem Pferd, der heißeste Hengst im Stall. Verliebt halt, also VERLIIIEEEHHHBT. Der Playboy schreibt aber dann nicht mehr so zurück, der Landbursch fand die SMS sowieso irgendwie nicht mehr so romantisch. Romantische Andeutungen ignorierte der Playboy auch.

Der Landbursch bekommt einen Ausraster und beschwert sich, warum der Playboy nicht mehr zurückschreibt. Die Stimme der Vernunft sagt, wenn der Playboy ebenfalls verliebt wäre, würde der ja den Landburschen zutexten wie Sau. Tut er aber nicht, und jetzt schreibt er auch nur, der Landbursch soll sich nicht so haben, der Playboy muss ja immer arbeiten und dann gleich beim Fortgehen die Sau rauslassen, da kann man(n) ja nicht verliebten Landburschen noch SMS schreiben, das müsse er doch verstehen. Jetzt wirds so richtig assi, denn der Playboy zeigt sein wahres Gesicht als gefühllose Pritschn.

Der Landbursch ist ja so VERLIIIEEEHHHBT und schreibt diese Wahnsinns-Nachrichten über sein Leben, Liebeserklärungen an den Playboy, wie schlecht es ihm ginge. Dem hartgesottenen Playboy ist das natürlich scheißegal, er schreibt immer nur kurz zurück, er wisse jetzt auch nicht, was er dazu sagen solle. Das Schlimme ist: das stimmt wahrscheinlich auch. Dem Playboy sind so menschliche, echte Regungen wohl einfach fremd. Traurig. Ein typischer Großstädter? Ein typischer Schwuler? In der Tat herrscht ja auch bei Heteros anscheinend der Trend einfach nur zum Fick ohne irgendwelche tiefergehenden Gefühle und Gedanken. Schöne neue schwule Welt!

Der Landbursch heult einen ganzen Tag, er schläft einen ganzen Tag, er kann wieder klar denken. Er schreibt dem Playboy eine letzte Nachricht, wie assi er nicht sei etc. Dem Playboy ist das auch scheißegal, er könne dazu nix sagen. Wenns nicht gerade um Schwänze geht, können manche homosexuelle Männer wohl wirklich nicht mehr mitreden. Entschuldigt hat er sich beim Landburschen nie. Mit Anstand haben es ja so einige Schwule nicht so. (Der Playboy hat sich übrigens von der monogamen Beziehung verabschiedet. Ist eigentlich klar, Playboys brauchen ja immer ihre Bestätigung und keine Liebe.)

Der Landbursch ist aber nicht dumm, und versucht daraus zu lernen. Die Zeichen waren ja da, dass der Typ ein Playboy und eine männliche Pritschn ist. Der Landbursch war einfach mal wieder zu nett. Das geht aber auch vielen Hetero-Kerlen so, dass sie zu nett sind und immer an weibliche Pritschn geraten. Und männliche Pritschn gibt es anscheinend auch, die Welt ist so ein Jammertal ;o). Der Landbursch erholt sich und beginnt ein Buch zu lesen, „No More Mr Nice Guy“ von Robert A. Glover, ein Buch genau für Männer wie ihn. Der Playboy wünscht ihm in einer Nachricht „trotzdem alles Gute“. Der Landbursch wünscht ihm Aids mit der Extra-Portion Milch.

Glad to be gay! ;o)

Hard Times – „The Perfect Son“ (1999)

51M62534GWLIch muss zugeben, bei Filmen bin ich empfindlich. Die können mich ganz schnell hochziehen aber auch ziemlich deprimieren. Außerdem, mein dunkles Geheimnis, ich kaufe gerne mal eine DVD, ein Buch oder eine CD bei Woolworth aus der Wühlkiste. Da findet man oft für ein paar Euro tolle Sachen! Und mit der DVD von „The Perfect Son“ (Kanada 1999) dachte ich auch, ein tolles Schnäppchen gemacht zu haben, verkaufte mir doch das Cover den Film als richtiges Männerdrama, zwei Brüder finden zueinander, einer Ex-Junkie, der andere homosexuell und HIV-Positiv, und der Vater ist auch noch wichtig.

Ha ha. Ich habe selten so einen ekelhaften Film gesehen – „SAW“ ist ein Kindergeburstag dagegen! „A Streetcar Named Desire“ fand ich noch ähnlich widerlich, aber das ist eine ganz andere Liga (und Tennesse Williams). Im Endeffekt pflegt der gute Bruder den bösen Bruder zu Tode, hört sich höflich sein Geschwafel an und erlöst ihn am Ende mit einer Überdosis Heroin. Er wechselt die Bettwäsche und der Film ist aus.

Sooo einfach ist das natürlich nicht. Hier wollte jemand Rache nehmen. Der (potthässliche) Regisseur pflegte seinen eigenen Bruder durch die AIDS-Erkrankung durch und wollte sich wohl jetzt ein Denkmal setzen und ein für alle Mal festschreiben, was für eine dumme Schwulette sein Bruder nicht war. So ist es doch interessant, das der gute Bruder erstens der einzig gutausehende Mann in dem Film ist, zweitens sich als einziger anständig kleidet – die anderen Männern sehen aus wie frisch aus der 1990er-Altkleidersammlung, und drittens der Held und tollster Kerl aller Zeiten ist. Die Schwarz-Weiß-Malerei des Films ist aber schon krass:

  • der gute Bruder: maskulin, gutaussehend, sensibel, intelligent, humorvoll, gedankenvoll, verantwortungsbewusst, reißt sich selbst aus dem Drogensumpf raus, tolerant, will Vater werden und mit der Liebe seines Lebens eine Familie gründen => heterosexuell
  • der böse Bruder und seine Freunde: hässlich, schwuchtelig, bitchig, oberflächlich, vögelt alles was geht, kein Beziehungsmensch, wehleidig, keine Selbstreflektion, arrogant, dauernd in Sexclubs, selbstherrlich, HIV-Positiv => homosexuell

Hoppala! Die Welt ist so einfach und der gute Bruder so ein Held, dass er sich so um seinen Assi-Bruder kümmert und sogar dessen eklige Freunde erträgt, die ihn nur anbaggern. Er traut sich sogar in einen schwulen Sexclub, der ungelogen aussieht wie eine Vampirhöhle mit jungen Männern, die den guten Bruder nur dämonisch anstarren, als wollen sie sein Blut aussaugen, und denen es scheißegal ist, dass der Assi-Bruder einen Atemstillstand im Sexclub hatte. Wenn man(n) HIV-Positiv ist, ist der Sexclub natürlich the place to go.

Die Familiengeschichte und die psychischen Hintergründe der Figuren werden nur minimal angerissen. Es geht nur darum: der Hetero-Bruder ist der Held – weil er hetero ist? In der Tat ist klar, dass der böse Bruder sich selbst eigentlich hasst und ein Problem mit seiner Sexualität hat, er vertraute sich ja auch seiner Familie nicht an, und das durch Arroganz und selbstzerstörerisches Verhalten maskiert. Blöd nur, dass in dem Film alle Homos so psychische Wracks sind.

Ich will jetzt aber gar nicht behaupten, der Regisseur hatte das alles nur erfunden. Wenn man gute, kritische Bücher über (männliche) Homosexualität aus den 1990ern liest, wie Bruce Bawers „A Place at the Table“ (1993), oder Gabriel Rotellos „Sexual Ecology: AIDS and the Destiny of Gay Men“ (1997), weiß man, dass viele in der Schwulenszene damals so drauf waren. Und es auch jetzt vielleicht noch sind.

Das ist das wirklich Traurige an dem Film, dass die homosexuellen Männer dort nicht einfach nur reine Erfindungen sind. Sieht man sich aber heutige homosexuelle Filme an, bekommt man auch ein ganz anderes Bild präsentiert. „Boy Culture“ ist so ein kluger und guter Film beispielsweise, oder „A Single Man“. Es geht auch anders.

Ich sage ja immer, der LSVD sollte gratis Psychotherapieplätze anbieten. In der Tat ist man als homosexueller Mann in Deutschland verratzt, denn die guten (Selbsthilfe-)Bücher sind alle auf Englisch. Als ich ein Jugendlicher war, gab es deutsche Ratgeber, die einem die Szene und den Blödsinn, der dort so geglaubt wurde, erklärten. Na toll.

Und die 1990er waren eine schlimme Zeit, der Film erinnerte mich wieder daran. So richtig glücklich war da glaube ich niemand, schon gar nicht die homosexuellen Menschen.

Seien wir froh, dass wir im Hier und Jetzt leben und Machwerke wie „The Perfect Son“ getrost in die Tonne kloppen können!

Depressions are fun!

bitching_1Es ist mal wieder Zeit für einen seelischen Stuhlgang – Mecker-Zeit ;o)! Von Marilyn Manson habe ich ja schon lange nichts mehr gehört und gesehen, aber die wenige Male, bei denen ich ihn im Fernsehen sah, denke ich mir im Nachhinein: Der Mann hat sicher keinen Spaß im Leben. Der gute Marilyn kriecht psychisch wohl ziemlich auf dem Zahnfleisch dahin, aber tut er auch was dagegen? Es scheint so ein Trend in den amerikanischen Medien oder zumindest bei manchen Künstlern zu sein, Depressionen zum Lebensgefühl und zur hippen Einstellung zu erheben. Und die ganzen Emo-Boys ziehen nach und laufen rum wie Transgender-Junkies. Dabei sind Depressionen absolut kein Spaß, die wünsche ich nicht mal meinem schlimmsten Feind (na ja, manchen vielleicht ;o)…)! Lady Gaga hat ja auch offensichtlich ein ziemliches Problem, aber ihre Musik ist perfekt-spritziger Electro-Pop und sie hat schon Botschaften und Humor. Aber arbeitet sie wirklich an sich selbst? Unter Schwulen wird sie ja anscheinend zum Teil vergöttert, anscheinend wegen dieser Einstellung, psychische Probleme seien doch cool, warum was dagegen tun, wenn man doch damit reich und berühmt werden kann? Dass die Leute immer auf so billige Maschen reinfallen! Ich bemerke das bei mir, als Jugendlicher vergötterte ich Marilyn Monroe, wie anscheinend so mancher andere homosexuelle Mann, einfach aus dem Grund, weil sie auch als Kind vernachlässigt und missbraucht wurde, nicht damit zurande kam und sich auch in der ewigen Opferrolle befand, aber dennoch eine der faszinierendsten und zelebriertesten Persönlichkeiten ihrer Zeit wurde. Bis zu ihrem Tod merkte man ihr aber den Missbrauch an, da sie sich ständig verstellte und sich eine Kunstfigur überstülpte. Ihre einzige Bestätigung fand sie, wenn sie auf Männer anziehend wirkte. Einen ganz anderen Weg ging da Nico (Christa Päffgen), die

Nico

Nico

Kölner Singer/Songwriterin, die allerdings in Deutschland unter „gehasst und vergessen“ rangiert, obwohl sie eine der faszinierendsten Künstlerfiguren ist, die das Land in der Postmoderne hervorbrachte. Sublimierte sie ihren Missbrauch auch durch das Erschaffen einer zweiten Identität, Nico, Drogensucht etc., konnte sie kurz vor ihrem Tod 1988 ihre Probleme aufarbeiten und erscheint in ihrem letzten Fernsehinterview, das in Berlin aufgenommen wurde, ungewohnt glücklich und zufrieden. Sie sprach auch davon, die künstliche Identität aufzugeben und weiter als „Christa“ Musik zu machen. Ihre Musik ist auch eine ernsthafte Auseinandersetzung mit ihrer Psyche, eine radikale Abkehr von jedem zeitgenössischen Trend und hat deshalb ihre zeitlose Qualität bis heute bewahrt. Weil sie nicht gefallen wollte und nicht mit der Masse mitlief, wurde sie aber ziemlich oft angefeindet und verspottet, obwohl sie ein kluge, ernste Frau war. (Erwähnte ich schon, dass ich sie als meine Seelenverwandte betrachte?) Undank ist der Welten Lohn! Was ich damit sagen will: Natürlich sollen Künstler ihre Probleme verarbeiten, das ist faszinierend, das ist toll. Aber bitte nicht (psychisches) Leid zum Trend und hippen Lebensgefühl erheben, so werden die Leute mit Problemen nur immer noch gestörter, was ich schon in Schwulenbars für Gestalten getroffen habe… Aber das ist eine andere Geschichte!

Wir sind ganz lieb!

BildEiner der netten User auf queer.de antwortete mir:

Wenn DU einige Rechte nicht haben willst, dann verzichte doch einfach drauf! Was soll denn dein Getue?! Warum sollen sich andere nach dir richten, ALEXANDRE?! Du bist doch nicht SCHWUL, dann kann dir das doch SCHEISSEGAL sein!! (David77)

Hier fühlt sich anscheinend jemand sehr schnell sehr angegriffen und verunsichert. Sicher sind das Heteros zum Teil auch, wenn es um die sogenannte Homo-Ehe geht (der kommentierte Artikel drehte sich um den Demonstrantenzusammenstoß in München) – das Getue darum auf beiden Seiten halte ich oft für überzogen. Die Rechte der eingetragenen Lebenspartnerschaft gehören gestärkt, natürlich, aber darum geht es mir gerade gar nicht. Regelmäßig denke ich bei aggressiven, pöbelnden Kommentaren oder Posts homosexueller Menschen im Internet oder wenn ich welche im echten Leben treffe an die Einleitung eines sehr schlauen Artikels:

Ever since I saw the film Mean Girls, almost ten years ago, I have been waiting for Mean Gays. (http://www.americanthinker.com/2012/12/mean_gays.html)

Der Autor schreibt u.a.:

Male troops, when sequestered into platoons and cut off from news of the outside world, act like high school girls: forming backstabbing cliques and bad-mouthing one another to get ahead.  Barracks intrigue can be much like girlish cafeteria politics: picayune and invidious in its principles, yet Shakespearean in its performance.  When one is defined purely by the worth of one’s body, one’s appearance, and one’s utility to larger societal purposes that one is not allowed to decide, one starts to whine and connive.  Hence, soldiers and women have often shared the same sense of powerlessness and passive-aggressiveness.  (As would gays, who fit much of the above checklist.) […] [These are] tactics that countless gays and lesbians have learned: stay offensive, hurt others before they hurt you, gather allies around you through sarcastic mockery, and humiliate until you get your way.  That’s how women held each other back for thousands of years.  That’s how soldiers led each other into innumerable acts of fratricide and sabotage.

Das hat meiner Meinung nach nichts mit irgendeiner speziellen Natur von homosexuellen Menschen zu tun, sondern einfach mit der menschlichen Psyche. Wer sehr verletzt und innerlich unsicher ist, lässt das leider gerne an anderen aus, auch wenn sie einen durch abweichende Standpunkte scheinbar in Frage stellen. Die wahre Kunst ist, zunächst einmal an sich selbst zu arbeiten und nicht immer die anderen unter seinen eigenen Problemen leiden zu lassen. Ein zufriedener Mensch, der mit sich selbst im Reinen ist, geht ganz anders mit verschiedenen Situationen um und schätzt Dinge anders ein – Stichwort Opferrolle. Ich will nicht behaupten, ich sei der stabilste Supermann, aber oft komme ich mir in Situationen wie diesen doch etwas reifer vor. Zumindest arbeite ich an mir ;o).

Ich habe mir schon mal scherzhaft gedacht, der LSVD sollte eigentlich gratis-Psychotherapieplätze anbieten. In der Tat bin ich aber wieder in meiner Haltung bestätigt worden, die ich mit amerikanischen homosexuellen Bloggern teile, mich nicht mehr als schwul/gay/queer etc zu bezeichnen, sondern als homosexuell oder einfach als Mann, der auf Männer steht. „Schwul“ ist nicht nur zu einer eigenen Kultur verengt worden, sondern anscheinend für einige eine eigene, extreme Geisteshaltung. Da kann ich einfach nicht mitmachen, ich bin aber auch kein Gruppen-/Massenmensch.

Aber homosexuelle Menschen gehen ja auch nicht mit der Masse, als Minderheit sollte man doch mit gutem Beispiel vorangehen – oder? In dem sehr interessante Artikel über Gay Pride Parades, den ich vorangehend einmal verlinkte, steht folgendes Zitat:

As a person of color in America, sometimes you’re going to have to do two for a white person’s one. That’s not fair, but that’s life. (http://www.theroot.com/views/where-s-pride-pride-parades)

Auch als homosexueller Mensch, der nicht ins Massenschema passt, sollte man meiner Meinung nach deshalb mit gutem Beispiel vorangehen und auch nicht billige Klischees propagieren, Stichwort z.B. Tuntigkeit, Stichwort Gehabe bei Gay Pride Parades etc etc.

Aber was red ich da, die Schwulen sagen sich ja gegenseitig immer, wie toll sie nicht seien, die wollen ja keine Kritik hören. OK, jetzt klinge ich bitter ;o).

Gehabt euch wohl!
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